Die Region Valencia ist ein ideales Radreiseziel im Frühjahr: Die Temperaturen liegen schon um 20 Grad herum. In den insgesamt 22 Naturschutzgebieten und an der 540 Kilometer langen Küste warten hunderte an Radwegkilometern.Außerdem bietet die Autonomieregion im Norden Spaniens eine große Bandbreite an Möglichkeiten für Kulturgenuss und Kulinarik.

Im Frühjahr sind die Farben in Valencia besonders intensiv: Orangenhaine so weit das Auge reicht, dunkles Grün mit weißen Pünktchen der Blüten. Dahinter blitzt das tiefblaue Meer. In den höheren Lagen schillern silbern die Oliven. Egal, wo man in der Region im Osten Spaniens radelt, die Landschaft ist enorm stark vom Menschen geprägt, doch deswegen nicht weniger schön. In der nördlichsten Provinz Valencias, die auf Spanisch Castellón und in der Lokalsprache Valencianisch Castelló heißt führt eine einmalige Radtour entlang der Vía Verde, die Benicàssim (auf Spanisch: Benicasim) mit Oropesa del Mar verbindet.
Vias Verdes – Bahntrassenwege

Seit einigen Jahrzehnten werden stillgelegte Bahntrassen (»Vías«) überall in Spanien in Rad- undWanderwege umgewandelt. Der Vorteil ist, dass die Wege nahezu eben sind, da für Bahnstrecken immer die ideale Streckenführung gewählt wurde. Die »Vía Verde del Mar«, wie die 12 Kilometer lange Strecke zwischen Oropesa und Benicàssim genannt wird, lässt sich mit anderen Radwegen kombinieren und zu beliebig langen Touren ausbauen. Sie führt durch in den Fels der Serra d’Oropesa gesprengte Scharten entlang der steilen Küsten. Unten rauscht das vom Wind aufgepeitschte Meer. Meterhoch spritzen dieWellen, wenn sie an den Felsen unterhalb des Radwegs brechen. Die raue See birgt viele mysteriöse Geschichten.
Valencia ist mit seinem milden Mittelmeerklima ein ganzjähriges Reiseziel. Im Winter ist vor allem der heftige Nordwestwind „Tramuntana“, im Sommer die hohen Temperaturen eine zu berücksichtigende Wetterkomponente.
Entdeckungen am Wegrand

Man stellt das Rad ab und klettert flink den schmalen Pfad hinauf bis zum Wachturm »Torre de la Corda«. Dieser sollte gemeinsam mit dem »Torre de la Colomera«, zu dem ein Abstecher beim nächsten Stop hinaufführt, die Küste vor Piratenangriffen schützen. Piraten aus Nordafrika waren ein großes Problem. Sie entführten Personen, um Lösegeld zu erpressen oder um sie als Sklaven zu verkaufen. Oropesa versuchte sich mit dem gewaltigen Festungsturm Torre del Rey zu schützen – vergeblich: Die Bevölkerung wurde im 17. Jahrhundert bei einem Piratenangriff komplett ausgerottet.
Schmugglerwege
Bei einem weiteren Stopp kann man sich auf die Spuren der Schmuggler begeben, meist arme Bauern, die sich mit dem illegalen Handel von Tabak etwas dazu verdienen wollten. Man entdeckt Höhlen und Spalten an der Steilküste, in denen die Waren versteckt wurden. Das felsige Gelände an der Küste ist ein Ausläufer des Gebirgszugs »Desert de les Palmes«, der sich direkt hinter Benicàssim erhebt und trotz seines Namens nichts mit einer Wüste zu tun hat. ›Desert‹ wurde alles genannt, was außerhalb der Ortschaften lag. Castelló ist eine der gebirgigsten Provinzen innerhalb Spaniens. Auf der Landkarte, auf der sich ein Naturschutzgebiet ans andere reiht. Im Nordosten liegt der 12.000 Hektar große Naturpark Serra d’Irta (Spanisch: Sierra de Irta) zwischen dem hübschen Fischerdörfchen Peñiscola und Alcossebre. Dieser ist vor allembekannt für sein enormesVorkommen an Seevögeln und Zugvögeln. Und nicht zuletzt sind da die unter Naturschutz stehenden Inselchen Islas Columbretes, die man von der Via Verde de Mar aus häufig im Blick hat.
Ausgangsort: Benicàssim
Ziel: Oropesa del Mar
Länge: 12 km. 25 min, Schwierigkeit: leicht
Asphaltierter Radweg auf ehemaliger Bahntrasse, der die Strände von Benicàssim und Oropesa del Mar verbindet. Ein Tunnel und in den Fels der Sierra de Oropesa gesprengte Scharten machen die Tour abwechslungsreich. Empfehlenswert ist ein Stopp für den Aufstieg zu den Wachtürmen Torre de la Corda und Torre de la Colomera. Die Tour endet an der Festung Torre del Rey mit dem gegenüberliegenden Leuchtturm. Die Tour lässt sich zu einer etwa 60 km langen Rundtour ausweiten: Von Oropesa den Paseo Marítimo de la Concha an der Siedlung Marina d’Or vorbei, die Avenida Colada del Pou und hinauf auf den Puerto de la Bandereta, wieder hinab nach Cabanes. Weiter durch Montalba, dann über die CV-15 und die CV-10 und durch den Naturpark Desert de les Palmes zurück nach Oropesa.
Tipp: In Benicàssim sollte man den Wachturm Torre de San Vicente und die stattlichen Villen entlang der Hauptstraße besichtigen. Vor Oropesa liegt eine alte Iberersiedlung, die man besichtigen kann.
Radfahren in Castellò

Für detaillierte Informationen zu Vías Verdes, Kartenmaterial und GPS-Tracks lohnt der Blick auf viasverdes.com sowie auf das Radportal cicloturismo.comunitatvalenciana.com, das Routen, Services und Anbieter bündelt. Ergänzende Reise- und Hintergrundinfos zur Region, zu weiteren Bahntrassenwegen wie der Vía Verde de Ojos Negros und zu kulturellen Highlights finden sich unter comunitatvalenciana.com und turismodecastellon.com. So wird die kurze Küstenpassage zwischen Benicàssim und Oropesa del Mar zum Einstieg in ein weit verzweigtes Netz mediterraner Radwege – mit Meerblick, Geschichte und sehr viel Fahrtwind im Gesicht.
- Flugzeug: Von Hamburg und Düsseldorf gibt es Direktflüge mit Ryanair, Eurowings oder Lufthansa nach Valencia.
- Mit dem Pkw: Benicàssim, Oropesa del Mar erreicht man über die AP 7 Valencia.
- Mit dem Zug: Züge der spanischen Bahn »Renfe« halten in Benicàssim und Oropesa del Mar
www.renfe.com
Fahrräder können in Regionalzügen mitgenommen werden. In den Schnellzügen »Avia« und »Ave« müssen sie auseinander montiert und in einer Hülle verpackt als Gepäckstück mitgeführt werden.
- Mit dem Bus: Autobusse des Unternehmens »Autos Mediterráneo« fahren die Ortschaften
Benicàssim und Oropesa del Mar an. Weitere Infos: Tel.: +34 964 220 054
www.autosmediterraneo.com








