Keine Aufstiegshilfen, kaum gerodete Hänge, verträumte Dörfer: Das Valle Maira im Piemont zählt zu den ursprünglichsten Tälern der Alpen. Mountainbiken im Tal der tausend Felsen und Farben.

Du bist hier am richtigen Ort«, sagt Pietro auf Englisch, tiefe Stimme, breites Lächeln. Er wirkt wie eine Mischung aus Entertainer und Expeditionsleiter. Und wie jemand, der seinen Job als Mountainbike-Guide ernst nimmt. Noch muss sich mir das Valle Maira erst als Bike-Paradies beweisen. Drei Tage hat es dafür Zeit, in denen wir die klassischen Linien der Gegend kennenlernen. Wobei »Klassiker « eigentlich das falsche Wort ist. Denn das Valle Maira ist kein Ort, an dem man sich an markierten Must-dos entlanghangelt. Im Mountainbike- Kosmos läuft das Tal bis heute eher unter dem Radar – während Rennradfahrer seine Pässe längst kennen. Am Colle Fauniera steht ein Denkmal für Marco Pantani: Erinnerung an jenen Giro d’Italia 1999, als der »Pirata« hier Geschichte schrieb. Vergangenes Jahr hat der Straßenradsport neue Zeilen ins regionale Logbuch geschrieben: Erstmals führten Etappen der Vuelta a España durch das Piemont – auch durch die Provinz Cuneo, das Tor zum Valle Maira.
Ins Tal hinein windet sich eine rund 60 Kilometer lange, schmale Straße. Kurve folgt auf Kurve. Tief unten hat sich der Fluss Maira in den Fels geschnitten und eine enge Schlucht geformt. Rund 11.500 Menschen leben hier, mehr als die Hälfte davon in Dronero, der einzigen Stadt des Tals. Die übrigen verteilen sich auf kleine Dörfer, die sich in der von Erosion geformten Landschaft an steile Hänge klammern. Dronero, am Talausgang gelegen, war vergleichsweise früh angebunden; hier entstanden auch die ersten festen Brücken. Weiter oben verlief dagegen noch bis 1842 eine für Karren befahrbare Straße nur bis San Damiano. Ab dort ging es mit Packtieren weiter.
Umrundung der Rocca la Meja
Wir starten im kleinen Ort Marmora und treten auf einer schmalen Straße bergauf. Unser Plan ist, die Rocca la Meja zu umrunden. Der Loop »La Gardetta« gilt als einer der schönsten der Gegend. Mit jedem Höhenmeter öffnet sich der Raum, bis wir schließlich auf der weitläufigen Gardetta-Hochebene ankommen. Die Sonne sorgt selbst hier oben für angenehme Temperaturen. Mediterranes Klima darf man trotzdem nicht erwarten. Zwar ist das Mittelmeer überraschend nah – Sanremo liegt rund 90 Kilometer Luftlinie entfernt, Monaco etwa 85 –, doch die Kämme der Cottischen Alpen schieben sich dazwischen. Nach Westen ist Frankreich sogar nur 15 Kilometer Luftlinie entfernt. Und doch führt aus dem Valle Maira keine Passstraße hinüber. Eine Sackgasse, die genau aus diesem Grund so ruhig und unberührt ist. Bis heute ist das Tal geprägt von der okzitanischen Kultur, die sich über weite Teile Südfrankreichs, das spanische Val d’Aran und mehrere alpine Täler im Piemont erstreckt und sich in Sprache, Musik, Architektur, Bräuchen und der Alltagskultur der Bergdörfer zeigt.
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