Der Norden Frankens zählt bislang zu den noch weniger entdeckten Gegenden Bayerns. Dabei wartet so manches versteckte Kleinod. Wer der Fachwerkstraße folgt, erhält interessante Einblicke in Kultur, Natur und Architektur.

Contz begeistert sie alle. Mit seiner feuerroten Narrenkappe, den leuchtenden Augen hinter dem kleinen Nasenzwicker und dem spitzen Kinnbart schlägt er Jung und Alt sofort in seinen Bann. »Ich begleite euch in ferne Zeiten«, verspricht die bunte Zeichentrickfigur, die auf Burg Cadolzburg in jedem Raum über den Bildschirm flimmert. Contz, der Hofnarr der einstigen Kurfürsten Friedrich und Albrecht, hat schließlich viel zu erzählen. Wie hat es sich so gelebt vor 600 Jahren? Was kam auf den Teller, wie feierten die Herrschaften und wie trägt sich eigentlich so ein Ritterhelm? Auf alle Fragen gibt es fachkundige Antwort. Selten schafft es ein Baudenkmal, seine Besucher so galant in die Vergangenheit zu entführen. Die mächtige Burg südwestlich von Nürnberg soll den Startpunkt bilden für unsere Wohnmobiltour entlang der Deutschen Fachwerkstraße. Deren fränkische Route haben wir gewählt, um endlich auch den Norden Bayerns genauer zu erkunden.
Die 1990 gegründete Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstraße hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe der jahrhundertealten Architekturform mit dem charakteristischen bunten Balken im Mauerwerk zu fördern. Acht Routen stehen zur Wahl, insgesamt werden den Besuchern auf 3.900 Kilometern die unterschiedlichsten Regionen präsentiert – von der Elbe bis zum Bodensee. Die fränkische Strecke führt auf 407 Kilometern durch Bayerns Norden. 16 Orte haben sich unter dem Motto »Genuss mit Wein und Bier« zusammengeschlossen. Nicht die bekannten Metropolen wie Nürnberg, Würzburg oder Bamberg werden angesteuert, sondern die »Hidden Champions«, die versteckten Juwelen. Auf der Webseite finden Interessenten detaillierte Infos über Attraktionen, Veranstaltungen oder Führungen, zudem Hinweise auf geeignete Stellplätze.
Im Kurort Bad Windsheim werden wir mit unserem Wohnmobil erstmal vor Anker gehen – im Reisemobilhafen an der Franken-Therme. Mit dem Fahrrad geht es bequem entlang des größten Kurparks Bayerns mit Tiergehege und Gradierwerk Richtung Altstadt. Ein Besuch im Fränkischen Freilandmuseum darf natürlich nicht fehlen. Auf dem 45 Hektar großen Gelände präsentieren 120 Gebäude das Fachwerk in all seinen Variationen. Die architektonische Spielart, deren Anfänge im Mittelalter lagen und die in der Zeit der Renaissance ihre Blüte erreichte, ist geprägt von Netzfachwerk, geraden und geschwungenen Andreaskreuzen, langen Fuß- und Kopfstreben, Sonnenrädern, Rauten sowie Schnitzereien und farbigen Fassungen an den Querriegeln. Das einst recht karge und mitunter schmerzhaftem Leben wird dem Besucher zudem sehr eindrucksvoll vor Augen geführt. Zum Beispiel im Badhaus, wo wir lernen, dass zum mittelalterlichen Badetag nicht nur Schwitzen und Waschen gehörten, sondern auch das blutige Schröpfen. Schließlich glaubten die Menschen damals, Blut abzulassen sei gut für den Körper.
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