Fast ein Vierteljahrhundert glänzt das Obere Mittelrheintal schon als Welterbe. Viele wissen, dass dort Weinreben wachsen und sehr viele Burgen stehen. Doch kaum jemand ahnt: In dem 65 Kilometer langen Durchbruchstal liegt womöglich die größte Seilbahndichte außerhalb der Alpen.

Dieser Skilift-Sessel hebt nicht mehr ab. Er steht auf vier Beinen im Gras und führt ein zweites Leben als Picknickbank – bei heruntergeklapptem Bügel sogar mit komfortablen Fußstützen. Dennoch schwebt der Blick über die tief eingekerbten Hänge des Rheintals, fast so, als hinge der Sessel noch an einem Seil.
Neben ihm quert der Welterbesteig den Oelsberghang. Am Büttenplatz, einer weinberankten Schutzhütte oberhalb der Steillagen des Urbarer Beulsbergs, stößt der RheinBurgenWeg hinzu. Wenige Schritte später tauschen beide Wege den Rückblick auf die Flussbiegung von Oberwesel gegen den genialsten aller genialen Rheinblicke: Fast senkrecht steigt die Schieferwand der Loreley 132 Meter über dem Wasser auf. Zum Greifen nahe von hier, der Gegenbühne, der Aussicht Maria Ruh über dem linken Rheinufer. Auf der einen Seite lauert die Gefahr – personifiziert durch die Sagengestalt der schönen Loreley, die ihr goldenes Haar kämmte und die Schiffer – sirenengleich – mit ihren Gesängen ins Unglück zog. Auf der anderen trägt der Fels den Namen der Schutzpatronin aller Schiffer – ein rettender Gegenpol. Dazwischen strömt der gefährlichste Rheinkilometer durch ein Nadelöhr aus Fels und Mythos – eine Steilvorlage für die deutsche Romantik.
Hier oben, entlang der durchnummerierten Urbarer Blicke, erscheint der Rheindurchbruch zum Greifen nahe. Zwischen Bingen und Rüdesheim im Süden und Koblenz im Norden gräbt sich der Rhein auf gut 65 Kilometern durch das Rheinische Schiefergebirge. Links stemmt sich der Hunsrück an den Fluss, rechts der Taunus. Die Hänge fallen steil ab, Seitentäler schneiden sich ein, auf sonnigen Terrassen klammern sich Rebstöcke. Dazu ist das Mittelrheintal übersät von Burgen, Gegenburgen und Zollstationen. Grafen und Ritter, Kurfürsten und Könige – alle wollten ihr Territorium an der Verkehrsader sichern und Zölle kassieren. Der Rhein war eine der wichtigsten Handelsrouten im Mittelalter. Seit 2002 würdigt die UNESCO die gewachsene Kulturlandschaft im Oberen Mittelrheintal als Welterbe.
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