Bizarre Kreideklippen, türkise, geschützte Mündungstrichter, Gezeitenflüsse und zeitloses »Punting« in Cambridge – Südengland präsentiert sich als ein majestätisch-ästhetisches Wassersport-Universum.

Diesmal mache ich mit meinem »Van-Wife« Valerie im Sommer »Van-Life« im nicht besonders camperaffinen Vereinigten Königreich. Somit mutiert unser bescheidener KASTENwagen zum standesgemäßen »Our home is our KASTL«! Um dem vielseitigen Spektrum an Tourenmöglichkeiten gerecht zu werden, habe ich den folgenden Reisebericht in sieben Episoden verfasst.
Neben den schon obligaten Brompton-Falträdern, made in Great Britain, haben wir für das abwechslungsreiche Einsatzgebiet auch ein extra gekauftes neues Boot an Bord! Valerie und ich entschieden uns für ein sehr durchdachtes Dropstich-Hybrid-Zweierluftkajak. Es ist schnell und stabil genug fürs Meer, aber auch ausreichend wendig für kleinere Flüsse. Der Hauptvorteil ist, ganz im Gegensatz zu meiner Faltbootflotte, der sehr schnelle Aufbau für den niederschwelligen Gebrauch.
Unsere weite Anreise auf dem Landweg vom östlichen Wien quer durch Mittel- und Westeuropa wird von stundenlangem Starkregen begleitet. Hoffentlich ist das nicht bereits eine Einstimmung zum »Very british weather «! Unter den Ärmelkanal geht es mit der submarinen Subway im Großraumwagon durch den Eurotunnel ins Insel-Königreich. Knappe 1.000 Jahre früher ist William der Eroberer aus der Normandie bei Hastings ins Land der Angeln und Sachsen einmarschiert.
Zum Auftakt unseres Englandurlaubs wandeln wir in den Burg- und Klosterruinen von Battle auf dessen Spuren. Wider Erwarten aber nicht über legendären, saftiggrünen, englischen Rasen, sondern über welke Wiesen wie in der afrikanischen Savanne! Eine Folge des Klimawandels, der auch auf den wettermäßig gesehenen »kritischen Inseln« nicht Halt macht. Um es vorweg zu nehmen: Valerie und mich erwartet fast den ganze Monat nur mediterranes Hochdruckwetter.
Tour 1: Gezeitenabhängiges Paddeln im Flussunterlauf
Auf der Halbinsel Isle of Purbeck starten wir im idyllischen Städtchen Wareham unsere erste Paddeltour am River Frome. Da der Flussunterlauf den Gezeiten unterworfen ist, stimmen wir den Tourenverlauf auf die Tidentabelle ab. Praktischerweise lassen wir uns mit dem auslaufenden Ebbstrom in das riesige Naturhafenbecken von Poole spülen. Die Route quert einen Schilfgürtel, vorbei an zahlreichen ankernden Segelbooten. Von hier stammt das Schilf für die regional typischen »Thatched roofs«. Das sind traditionell reetgedeckte Häuser. Oft stehen am Dachfirst kunstvoll geflochtene Tierskulpturen.
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