Sportliche Wildwasser Klassiker in den Alpen

Vier gewinnt. Nicht nur im Spiel, sondern auch im Wildwasser. Der vierte Schwierigkeitsgrad ist die Premiumklasse, das Ziel, für das sich jede Trainingseinheit lohnt. Aufregend, anspruchsvoll und ernsthaft, aber – ausreichendes Können und Erfahrung vorausgesetzt – noch gut kalkulierbar und zugleich sportliche Herausforderung wie auch purer Genuss. Matthias Breuel hat einige seiner persönlichen Favoriten ausgewählt und lädt ein zur großen Alpenrundreise zwischen Salzburg und Sesiatal.

TEXT/BILDER: MATTHIAS BREUEL

Beginnen wir mit einem Bekenntnis: Während es für Paddelprofis und die meisten jungen Wilden im Wildwasser natürlich nur ein Ziel gibt, nämlich WW V, den fünften Schwierigkeitsgrad, das obere Ende der Wildwasserskala, kann ich nach über 30 Jahren im Wildwasser eindeutig sagen, was mich wirklich glücklich macht: der perfekte Vierer. Nicht am Limit, sondern ein Stück darunter. Dort, wo die Balance zwischen Spaß und Spannung stimmt und nicht das Risiko im Vordergrund steht. Wahrscheinlich war ich in meinem Herzen schon immer ein »Viererpaddler «, auch wenn es mich in jüngeren Jahren regelmäßig auf schwerere Flüsse zog und ich auch heute gelegentlich nicht Nein sagen kann.

Wenn ich mit Freunden sportlich paddeln gehen und eine gute Zeit haben will, bin ich mittlerweile aber die meiste Zeit auf Strecken um den vierten Grad unterwegs. Beim Blick ins Fahrtenbuch ist mir bewusst geworden, wie viele exzellente »Vierer« es mitten in Europa, in den Alpen, tatsächlich gibt. Strecken, auf denen man nicht Kopf und Kragen riskieren muss und trotzdem großen Sport erleben kann. Da lag es nahe, einige meiner Favoriten herauszupicken und in diesem Bericht angemessen zu würdigen. Sie alle sind auf ihre Art und Weise einzigartig und schon der bloße Gedanke an diese Perlen garantiert bei mir sofort Vorfreude auf die nächste Paddeltour.

Ganz sachlich betrachtet habe ich mich bei der Auswahl auf »echte« Viererstrecken konzentriert, auf denen die Schwierigkeiten (nach meinem Verständnis) auch wirklich auf langen Strecken im vierten Schwierigkeitsgrad liegen. Einige der Touren sind bei moderaten Wasserständen eher als WW III–IV zu bewerten, werden mit etwas mehr Wasser aber ebenfalls zu WW IV. Einzelne schwierigere oder unbefahrbare Einzelstellen waren kein Ausschlusskriterium, wohl aber mehrere oder längere »Fünferstellen« (und natürlich Zwangspassagen), denen einige heiße Kandidaten in meiner Vorauswahl zum Opfer fielen.

Bedingt durch meinen Wohnort München sind in der Auswahl aufgrund der kürzeren Anfahrt Strecken in den Ostalpen stärker vertreten. Das soll aber natürlich keinesfalls die Qualität der exzellenten Viererstrecken in Frankreich (z.B. Bonne, Gyr, Guil oder Roya) in Frage stellen, doch diese wären allein schon ein Thema für sich.

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