Zwei Gesichter hat die rund 450 Kilometer lange Via Allier. 2024 wurde der Radfernweg, der sich durch die Region Auvergne-Rhône-Alpes schlängelt, eröffnet. Wer wie unsere Autoren die Tour entgegen der Fließrichtung plant, kann sich relativ gemütlich auf dem Sattel eingewöhnen, bevor im letzten Drittel anspruchsvolle Steigungen warten. Neben dem Fluss als Hauptakteur, gibt es mittelalterliche Bergdörfer, romanische Kirchen und Natur zu entdecken. Vieles davon ist ein Kann und kein Muss.

Der 30 Meter hohe Tour Jacquemart, ein begehbarer Uhrenturm, Häuserzeilen mit bunten Anstrichen und alte Fachwerkbauten auf dem Place de l’Ancien Palais bringen unsere Augen zum Leuchten. Moulins, die Hauptstadt des Bourbonnais im Département Allier, ist unser Startpunkt für das Radabenteuer entlang der Via Allier. Wir erfreuen unseren Gaumen mit einem Gläschen Hauswein, das wir uns auf den bunten Plastikstühlen der Le P’tit Bar genehmigen. Die Räder lehnen an der Wand, die Vorfreude wächst. À la santé – wir sind gespannt auf die kommenden sieben Tage!
Moulins verlassen wir über die 300 Meter lange Steinbogenbrücke, die den Allier überspannt. Der breite Fluss hat noch rund 80 Kilometer vor sich, bis er bei Nevers in die Loire mündet. Uns erwarten laut der offiziellen Tourenbeschreibung noch 375 Kilometer, denn aus logistischen Gründen sparen wir die erste Etappe aus. Die Route führt uns durch Heckenlandschaften, Felder und Wiesen, auf denen die cremefarbenen Charolais-Rinder mit den eindrucksvollen Augen grasen. Es ist wenig los auf den Straßen. In den Dörfern cruisen wir vorbei an bunten Blumengärten, gepflegten kleinen Anwesen und Heimwerkerobjekten.
Weinbegeisterung und Charmeoffensive
In der Ferne zeichnen sich immer wieder die Silhouetten von Schlössern ab. Die Spuren des französischen Königshauses der Bourbonen sind hier allgegenwärtig. Direkt am Weg und gut in Schuss liegt das Château de Fourchaud mit seinen Rundtürmen und dem Bergfried. Im Weinort Saint-Pourçain-sur-Sioule probieren wir die regionalen Sorten Gamay und Tressallier. Ein schönes Ambiente hierfür ist der Place du Maréchal Foch, mit Blick auf einen weiteren Uhrenturm, dessen Kontur an eine Rakete erinnert. Dabei stimmen wir uns gedanklich ein auf Billy. Ein Dorf, wie aus einem Mittelalterfilm entsprungen, das mit dem Gütesiegel »Petites Cités de Caractère« ausgezeichnet ist.
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