Mit dem Gravelbike durch Québec

Québec zählt zu den spannendsten Radregionen Nordamerikas. Die »Route Verte« führt auf bestens ausgebauten Wegen von Montréal durch abwechslungsreiche Landschaften – entlang von Flüssen, durch ländliche Räume und hinein in eine lebendige Genusskultur.

TEXT: PATRICIA WOHLGEMUTH / BILDER: MARKUS KIRCHGESSNER

Es beginnt am Wasser. Genauer: am Bassin Peel in Montréal. Der Radweg windet sich durch eine Grünachse, vorbei an Sportanlagen, Basketballkörben, Fußballwiesen. Ein Mann trägt sein SUPBoard übers Gras, Kinder rollen auf kleinen Rädern hinter einem Vater auf Inlinern her. Die Stadt wirkt wie ein einziger Bewegungsraum – und entlässt uns genauso entspannt, wie sie sich gibt.

»Ich sitze auf dem Bauchnabel der Stadt«, erklärte noch wenige Stunden zuvor Vivan Talon und drehte sich, in seinem Vorgarten mitten im Zentrum von Montréal sitzend, eine Zigarette. Um ihn herum herrscht fast ländliche Ruhe. Montréal muss man nicht verlassen. Man gleitet einfach hinaus. Perfekt ausgeschildert, weich asphaltiert und, sollte es gar eine Baustelle geben, dann wird auf diese frühzeitig mit Umleitungsschildern hingewiesen. Jeder Umweg ist radgerecht gestaltet. Mehr als 700 Kilometer Radwege soll es allein im Stadtgebiet Montréal geben, viele davon so breit wie Straßen. So beginnt die »Route Verte« nicht erst außerhalb der Stadt. Sie ist längst da.

Entlang der 3,4 Kilometer langen Samuel de Champlain- Brücke, die das Überqueren des St. Laurent- Stroms zum Ereignis macht, ist es unvermeidbar, immer wieder zurück zu blicken auf die fast zwei Millionen Menschen beheimatende Metropole, die den Mont Réal umsäumt. Danach wird es dörflich. Saint-Lambert begrüßt mit Vorgärten, Vogelstimmen und mit der Brasserie »Saucette-Buvette«. Catherine, die herzlich alle Radler empfängt, eröffnet mit prickelndem Cidre eine Tour, bei der in den folgenden Abenden eine Bierdegustation der anderen folgen wird.

Genusskultur entlang der Route Verte

Eine Fahrradstunde später in Chambly, im Lokal »Délire et délices« gibt es dann auch schon Mittagessen in Form der regional üblichen Flüssignahrung: Bier. In kleinen Probiergläschen, die gefüllt mit Hopfengebräu – Variationen von blond bis dunkelbraun – rangieren, wandert es auf Holzbrettchen serviert, auf den Tisch. Anik Cormier, die Wirtin, setzt sich zu uns und erzählt die Geschichte des betagten Hauses, in dessen Keller ihr Mann, Yves, 20 Biersorten braut. Damit sind beide allerdings erst seit 2016 beschäftigt. Im Haus selbst kam Gabrielle Bernier, die kanadische Coco Chanel, 1901 zur Welt und entwarf ihre international renommierten Schnitte.

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