Im Simmental wirkt die Schweiz noch so, wie viele sie sich erträumen: Kühe auf blühenden Alpen, jahrhundertealte Bauernhäuser mit kunstvoller Holzarchitektur, tosende Wasserfälle und Bergseen, in denen sich die Gipfel spiegeln. Zwischen Lenk, Iffigenalp, Gryden und den Siebenbrunnen begegnen Wandernde einer Landschaft, die gleichermaßen spektakulär und bodenständig ist – mit Wegen für Familien und Bergfans und genug Wasser, um sich abzukühlen.

Wenn an der Lenk die Türen des Zuges aufgehen, ist der erste Eindruck kein Bergpanorama, sondern ein Klang: das gleichmässige Läuten der Kuhglocken. Dahinter steigen die Gipfel steil in den Himmel, die Simme zieht sich glitzernd durchs Tal – und schon nach wenigen Schritten wird klar, warum das Simmental als eine der ursprünglichsten Wanderregionen der Schweiz gilt. Zwischen sattgrünen Alpweiden, jahrhundertealten Holzhäusern und schroffen Kalkwänden lebt hier ein Bild der Schweiz weiter, das anderswo längst zur nostalgischen Erinnerung geworden ist.
Mit rund 600 Kilometern markierten Spazier-, Wander- und Bergwegen ist die Destination Lenk-Simmental ein echtes Wanderparadies. Statt inszenierter Bergwelt wartet hier gelebter Alltag: Simmentaler Kühe, die im Sommer auf kräuterreichen Alpen weiden, Älpler, die Käse direkt auf der Alp herstellen, und Familienbetriebe, die seit Generationen denselben Hof bewirtschaften. Wer unterwegs ist, wandert nicht nur durch eine Landschaft, sondern durch ein Stück Schweizer Kulturgeschichte.
Kraterlandschaft mit Kuhglocken – Höhenrundweg Gryden
Eine der eindrucksvollsten Touren startet oberhalb der Lenk an der Bergstation Leiterli. Zunächst führt der Weg über den Alpenblumenweg, auf dem über 300 verschiedene Alpenblumen das Panorama säumen. Die weichen Alpweiden verschwinden, die Landschaft kippt plötzlich ins Wilde: grauer Kalkstein, zerklüftete Formen, scharfe Kanten.
Die Gryden wirken wie eine fremde Welt. Tiefe Felsspalten, trichterförmige Vertiefungen, bizarre Strukturen – eine Kraterlandschaft, entstanden aus Gipsgestein und Rauhwacke, die vor rund 200 Millionen Jahren in einem flachen Meer abgelagert wurden. Regen und Schmelzwasser haben die weichen Gesteine über Jahrtausende ausgewaschen, Hohlräume und Einsturzdolinen geformt. Heute wirkt das Gebiet wie ein Naturlabor für Geologie-Fans – und gleichzeitig wie eine Bühne für eindrucksvolle Panoramablicke auf das Wildstrubelmassiv und hinunter ins Simmental.
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