Traumhafte Wanderdestination: Die Region North York Moors

Im Nordosten von England erstreckt sich ein großes und abwechslungsreiches Wandergebiet: Die Region North York Moors umfasst Küste und Heidelandschaften, Seebäder und kleine Dörfer. Bei den Touren stößt man auch immer wieder auf die bewegte Vergangenheit und abenteuerliche Geschichten.

TEXT: ALIKI RETTIG BILDER: SASCHA RETTIG

Gestern Abend mussten wir uns hier noch mit einem Sprung ins Trockene retten. Da klatschten die Wellen an die Steinmauern, die Gischt spritze und die Nordsee floss über die alte Bootsrampe bis an den historischen Pub und unsere Füße heran. Heute Morgen aber sieht die Welt sehr anders aus, geradezu friedlich: Es ist Ebbe, das Meer hat sich weit, weit zurückgezogen – und ein beliebtes Wandergebiet freigelegt. Denn dort, über den breiten, teilweise noch matschigen Sandstreifen, laufen bereits Dutzende Menschen und genießen die Sonne.

Wir sind im englischen Hafenörtchen Robin Hood’s Bay unterwegs, wo die Gezeiten den Alltag schon seit Jahrhunderten prägen. Diese raue Naturkulisse lädt zu ausgiebigen Wanderungen ein – so wie die gesamte Region North York Moors im Nordosten des Landes. Bei uns ist sie zwar noch ziemlich unbekannt. Bereits 1952 aber wurde die Gegend zum Nationalpark erklärt, erstreckt sich auf über rund 1.400 Quadratkilometer und ist flächenmäßig damit fast doppelt so groß wie Hamburg, bei gerade einmal knapp 23.000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Platz und Ruhe gibt es also jede Menge, genauso wie abwechslungsreiche Wanderangebote: Innerhalb des Parks wurden rund 1.600 Kilometer öffentliche, ausgeschilderte Pfade angelegt, die mal an der Küste entlang und mal durch sanft hügelige Moor- und Heidelandschaften führen. Eine der bekanntesten Routen ist der Cleveland Way, der in mehreren Etappen über fast 180 Kilometer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten verbindet: vom pittoresken Helmsley durch Hochmoore bis zur Nordseeküste und zu alten Seebädern wie Scarborough.

Auch wir starten unsere erste Wanderung in Helmsley mitten im Nationalpark. Es ist ein bezauberndes, herausgeputztes Örtchen, das wie der Inbegriff einer England-Idylle wirkt: Rund um den alten Marktplatz stehen kleine, etwas windschiefe Sandsteinhäuser, in denen Feinkostläden, Cafés, Restaurants und natürlich einige Pubs eröffnet wurden. Ein paar Meter weiter plätschert das Flüsschen Rye unter einer Brücke hinweg, dahinter ragt die imposante Ruine des Helmsley Castle in die Höhe: Es wurde einst als Festung errichtet und später in ein herrschaftliches Tudor-Anwesen umgebaut.

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