Ab Bratislava wird es wild. Nach dem Warmfahren durch Deutschland und Österreich tauchen Gravelbiker in den Osten ein. Die Slowakei überrascht mit stillen Auwäldern, Ungarn mit der Weite der Tiefebene, Serbien mit Schotterpisten entlang des Flussufers. Und voraus? Das Eiserne Tor, die Weiten Rumäniens und Bulgariens, dann das Schwarze Meer.

Wer glaubt, die Donau sei nur ein Fluss, hat sie nie vom Sattel aus erlebt. Sie ist eine Zeitmaschine, die Jahrhunderte in Stunden verwandelt. Fünf Uhr morgens. Meine Hände umschließen den Lenker, während die Stadt Hainburg noch schläft. 4. April, im äußersten Osten Österreichs, Start in die sechste Etappe. Nur das leise Klicken der Pedale durchbricht die Stille der weichenden Nacht. Mit dem ersten Licht beginnt ein Tag, der drei Länder und zwei Hauptstädte verbindet.
255 Kilometer, drei Flaggen
Der Kegel meiner Radlampe schneidet durch die Dunkelheit. Reflektoren blitzen am Straßenrand auf und weisen den Weg Richtung Bratislava. Am Ufer rauscht das Wasser, unsichtbar in der Finsternis. Hinter mir liegen 971 Kilometer, Deutschland und Österreich. Voraus wartet der unbekannte Teil der Reise zum Schwarzen Meer. Was für ein Tag sich anbahnt: drei Nationen, zwei Hauptstädte, verbunden durch die Donau. An ihren Ufern atmet viel Natur.
Bratislava erwacht sanft. Ein Jogger teilt sich den Radweg mit einem Feldhasen, beide huschen davon wie Gespenster im Morgendunst. Tau glitzert auf den erwachenden Wiesen. Über den Baumwipfeln erheben sich die vier Ecktürme der Burg, gezeichnet gegen den Morgenhimmel. Das Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt grüßt von seinem Felsplateau herab. Hinter den historischen Fassaden der Gassen recken sich die Glasfronten des prosperierenden Bratislava empor. Alt und Neu verschmelzen am Flussufer zu einem harmonischen Ganzen.
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