Von den grünen Höhen des Nordens bis zum Roten Meer im Süden schneidet eine der packendsten Radrouten des Nahen Ostens durch Jordanien. Diese epische Durchquerung verbindet abgelegene Wüstenpfade mit modernen Straßen. Sie führt vom tiefsten Punkt der Erde bis auf 1.690 Meter Höhe und entfesselt ein Radabenteuer, das unter die Haut geht.

Manche Tage sind wie verhext. Da läuft die Etappe wie geschmiert und im Finale strauchelt man. So auf dem sechsten Teilstück unserer Fahrt über den Jordan Bike Trail. Zusammen mit der Fotografin Miriam Mayer kämpfe ich mich durch das Wadi Mujib, mal schiebend, mal schnaufend und immerzu staunend. Hier versteckt sich eine Landschaft wie zu Jesus Zeiten, wild und unberührt. Auf der Ostseite des Canyons jagen wir über eine karge Hochebene und pressen die verbliebene Power aus den Beinen. Eine letzte Abfahrt, ein letzter Anstieg! Wieder holpern die Gravelbikes einen mit Steinen durchsetzten Weg entlang.
Die Dämmerung verschluckt das Tageslicht. Mein Blick irrlichtert über den Hang und sucht den Verlauf des Wegs. Dann passiert es – die Luft entweicht zischend aus dem Vorderreifen. Miriam zückt zum Glück eine Stirnlampe und jeder meiner Handgriffe beim Schlauchwechsel sitzt. Weiter in die Dunkelheit. Regen setzt ein, Kälte beißt und wir freuen uns, als voraus eine Asphaltstraße auftaucht. Diese leitet zur gebuchten Unterkunft. Was für ein wilder Ritt und das schon seit Tagen.
Aufbruch im Gilead-Gebirge
Fünf Etappen zuvor starten wir im grünen Norden Jordaniens. Das Gilead-Gebirge überrascht mit saftigen Wiesen und einem mediterranen Klima. Hier im Grenzland zu Syrien und Israel zeigt sich Jordanien von seiner unbekannten Seite. Der Jordan Bike Trail verwandelt sich auf seinen 736 Kilometern wie ein Chamäleon. Mal führt er über eine asphaltierte Landstraße, dann wieder ist er nicht breiter wie ein wilder Beduinenpfad. Mohnblumen leuchten rot zwischen gelben Wildblumen, während sich die hügeligen Landschaften bis zum Horizont erstrecken. Schafherden grasen an den Hängen. Daneben recken Olivenbäume ihre Äste in den blauen Himmel.
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