Pinzgauer Spaziergang: Salzburger Understatement

Man darf sich nicht täuschen lassen: Mit einem Spaziergang hat dieser Höhenweg über dem Pinzgau wenig zu tun. Denn zwei bis drei Tage wandert man über den Kamm der grünen Kitzbüheler Alpen, nur die kurze Variante ist als Tagestour möglich. Etliche Gipfel kann man dabei besteigen, vor allem aber hat man die vergletscherten Tauern immer im Blick.

TEXT: ANDREA STRAUSS / BILDER: ANDREAS STRAUSS

Für trockenen Humor und einen Hang zum Understatement sind eigentlich die Briten bekannt. Als Henry Morton Stanley nach vielen Monaten und 11.000 Kilometern quer durch Afrika den verschollenen David Livingstone endlich fand, soll er ihn mit einem weltmännischen »Dr. Livingstone, I presume? « begrüßt haben. Und unsere schottische Zimmerwirtin bereitete uns auf den bevorstehenden Orkan mit Windstärke zwölf vor mit einem lässigen: »Es könnte ein bisschen windig werden.«

Was in Großbritannien zum Standard gehört, scheint aber auch im österreichischen Pinzgau nicht fremd zu sein. »Pinzgauer Spaziergang« hat man die Wanderung genannt, die hoch über dem Salzachtal dem Bergkamm folgt, über Stock und Stein, über ein gutes Dutzend Gipfel. 40 Kilometer hat dieser spezielle Spaziergang. Wer mit einem eintägigen Appetithappen nicht zufrieden ist, sondern mehr möchte, ist zwei bis drei Tage unterwegs.

Immerhin den Anfang des Spaziergangs kann man bequem und zeitsparend gestalten. Mit der Gondel geht es auf die Schmittenhöhe. Die ersten 1.200 Höhenmeter überwindet man so, wie es sich für einen Spaziergang gehört: ohne erhöhten Puls, ohne Schweißtropfen. Dass aus diesem Grund fast jeder Wanderer mit seinem »Spaziergang« in Zell am See beginnt und nicht am Pass Thurn, ist daher logisch.

Grün und angenehm frisch

Obwohl unsere Idee vom Spazierengehen meist weder Ziel noch Tempo kennt, hat der Pinzgauer Spaziergang einen klaren Ausgangspunkt und zumindest eine übliche Richtung. Auch wir starten in Zell am See. Seit ein Straßentunnel den Durchgangsverkehr am Ort vorbeileitet, hat Zell am See als Urlaubsort deutlich gewonnen. Die Lage am fünf Quadratkilometer großen See, die Berge ringsum, vor allem der Blick auf die Hohen Tauern im Süden, die schicken Hotels aus der Belle Epoque, die Ausflugsschiffe auf dem See und die gute Erreichbarkeit – Zell am See hat sich längst als Urlaubsort für zahlungskräftiges Publikum etabliert. Vor allem Gäste aus Arabien wissen die Vorzüge zu schätzen.

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