Im östlichen, gemächlicheren Teil führt der Karnische Höhenweg als Milchstraße von einer Gailtaler Alm zur nächsten. Auf jeder schmeckt der Käse etwas anders. Unterwegs erzählen Schützengräben vom Krieg, Kalkzinnen von Urmeeren und eine blaue Bergblume davon, warum Kühe nicht nur Milch geben, sondern auch einen Schatz hüten.

Ein milchweißes Tuch hält ihr dunkles Haar zurück, als die Sennerin der Watschiger Alm ein Brett mit ihren Käsen auf den Küchentisch stellt: Schotten, hell, rundlich und in Folie gewickelt. Elisabeth Buchacher gewinnt ihn aus der Molke, nach dem Pressen räuchert sie ihn kurz an. Am liebsten isst sie ihn in Scheiben auf dem Brot, bestrichen mit der eigenen Almbutter, manchmal kommen zu Pfeffer und Salz noch Tomate, Frühlingszwiebel oder Knoblauch obendrauf. Neben dem Schotten liegt ein goldgelbes Käsestück. Sein junger Teig zergeht buttrig auf der Zunge. Wie Champagner und Parmaschinken ist er untrennbar mit seiner Ursprungsregion verbunden: Gailtaler Almkäse g.U., das steht für »geschützte Ursprungsbezeichnung«. Dass Buchachers Käse nicht nur nach Alm schmeckt, sondern auch mit einer der seltensten Pflanzen der Welt verbunden ist, zeigt sich erst später – dort, wo die Kühe Spuren ins Gras treten.
Dieses EU-Siegel garantiert, dass Milch und Käse von den Sennalmen im Kärntner Gailtal stammen. Der breite Talboden zieht eine schnurgerade Linie zwischen Gailtaler Alpen im Norden und Karnischen Alpen im Süden, an der Grenze zum italienischen Friaul. Erst 700 bis 1.000 Höhenmeter über den Taldörfern flachen die schroffen Hänge ab. Auf sanft geschwungenen Bergrücken, Hochtälern und Satteln ist Platz für sattgrüne Wiesen. Dort grasen die Kühe von Elisabeth Buchacher und den anderen Almen, die Gailtaler Almkäse herstellen.
Seit Jahrhunderten machen Sennerinnen und Senner die frische Milch durch Käsen haltbar. Im Laufe des Sommers füllen sich die Holzbretter in Buchachers Käseraum mit dicken, runden Laiben. Sie reifen trocken, wie ein Parmesan, ohne dass Elisabeth die Laibe regelmäßig mit Salzlake schmiert. »Das Klima ist hier anders, schon leicht mediterran«, sagt Buchacher. »Daher ähnelt unser Käse dem Montasio, dem Hartkäse aus dem Friaul.« Um Trekkenden diese Tradition nahezubringen, führt mit der Milchstraße ein Weg in sechs Etappen durch das Almgebiet.
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