Auf dieser Tour rollt man durch unterschiedliche Landschaftskulissen, kommt vorbei an kulturellen Sehenswürdigkeiten und bewegender Geschichte. Erzählt wird diese meist im Flüsterton und Naturgeräusche sind verlässliche Begleiter auf dem Sattel. Unser Fotograf Thomas Rathay war gespannt, welche bekannten und neuen Motive es beim Cruisen durch die brandenburgische Heimat (wieder) zu entdecken galt.

Als wir den Kaiser-Friedrich-Aussichtsturm in Biesenthal besteigen, schwebt Thomas über einer Landschaft, die für ihn einem aufgeschlagenen Fotoalbum gleicht. Rund 40 Kilometer nordöstlich von Berlin fädeln wir ein auf den Berlin-Usedom-Radweg, der in der Hauptstadt beginnt und sich hinauf zur beliebten Ostseeinsel zieht. Bald begleiten uns mächtige Kiefern mit rostroter Borke und verströmen einen intensiven Geruch – Waldbaden auf zwei Rädern!
Der Radweg ist perfekt asphaltiert. Immer wieder drücken sich jedoch starke Wurzeln nach oben und formen kleine Buckelpisten. Achtsamkeit sowie ein vorausschauender Blick vor die Reifen sind gefragt. Wir cruisen durch den stillen Barnim, wo vor 25.000 Jahren eine Eiszeit herrschte und die bis heute sichtbaren gewellten Landschaftsakzente formte. Kein Lärm, keine Alltagsgeräusche, nur das fiese Surren einiger Stechmücken dringt ans Ohr.
Zwischen Jagdschloss und Hobbit-Häusern
In Marienwerder am Finowkanal oder auch in Rosenbeck an der Schleuse lässt sich eine entspannte erste Pause einbauen. Hier sind an Schönwettertagen zahlreiche Freizeitkapitäne unterwegs. Es ist sehr entschleunigend, dem Treiben auf dem Wasser zuzusehen. Vorübergehend verabschieden wir uns vom Berlin-Usedom-Radweg und lenken in Richtung Nordwesten. Umgeben von der Schorfheide, einem der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands, steuern wir auf das Jagdschloss in Groß Schönebeck zu. Kaffee, Kuchen und Regionaltipps gibt es dort. Thomas führt mich in die Filmdokumentation, die in einer Endlosschleife läuft. Sie zeigt Erich Honeckers Machtübernahme sowie seine übergroße Jagdhingabe. »Bei uns vor dem Haus verlief zu DDR-Zeiten die sogenannte Protokollstrecke. Sie führte von Honeckers Wohnsitz in das Jagdgebiet. Da musste immer alles besonders ordentlich und aufgeräumt sein«, erinnert sich Thomas während der Vorführung.
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