Fjäll-Wandern ist besonders. Besonders ruhig, besonders intensiv. Wer in Schwedens südlichstem Fjäll-Nationalpark Fulufjället die Tage zwischen Spätsommer und Herbst erwischt, erlebt zudem besondere Stimmungen mit Nachtfrost, Morgendunst und Abendgold.

Wie rares Blattgold strahlen die Blätter, die nur noch vereinzelt die Äste der zwei niedrigen, knorrigen Birken neben mir zieren, im warmen Abendlicht. Es ist still. So still, dass ich das Fallen der Blätter höre, deren Saison vorbei ist. Ich sitze vor meinem kleinen Wanderzelt, umschließe meine Knie mit meinen Armen und schaue beseelt in die Ferne. Über den See vor mir und bis zu den Bergen am Horizont. Die Welt fühlt sich weit an hier oben im Fjäll und zugleich friedlich und wohlig. Wie ein eigener Kosmos aus Felsen, Flechten und Moosen. Mit einer Luft, die so rein ist, dass sie sämtliche Gerüche wegfiltert und mich völlig ruhig atmen lässt. Jedenfalls in diesem Moment. Beim Aufstieg klang das noch angestrengter.
Das Gehen im Fjäll ist ein anderes als in deutschen Mittelgebirgen oder auf Hochgebirgspfaden. Auch dort, wo Wege markiert sind, verlangen sie unsere Aufmerksamkeit. Teils wenig begangen, überwuchern sie schnell. Mit Wurzeln durchzogen oder über bei Nässe glitschige Felsbrocken führend, laden sie zum bewussten Tempo ein. Das ist gut so: Wenn ich mich umsehen möchte, bleibe ich stehen. Wieder und wieder halte ich inne und staune.
Es ist Mitte September und der südlichste Fjäll-Nationalpark von Schweden streift sich sein Herbstgewand über. Die dicken Moospolster in den Seitenärmchen des Flusses Tangån, dem ich auf meinem Weg von Süden nach Norden folge, leuchten in einem neonartigen Grün, das in seiner schier unwirklichen Natürlichkeit jede Textmarkerstärke schlägt. Die dunkelroten Alpen- Bärentraube treten wie selbstbewusste Hauptfiguren aus Teppichen an Flechten und Moosen hervor. Einzelne Laubbäume buhlen mit ihren Nuancen aus Gelb und Orange um meine Aufmerksamkeit.
Aufstieg zur Hütte
Gestern Mittag bin ich gestartet. Vom südlichsten Eingang aus ging es bergauf, durch Nadelwälder und an riesigen Ameisenburgen vorbei. Bis dahin, wo schlagartig Schluss ist mit üppigem Baumwerk und die vermeintlich kahle und doch so reiche Landschaft übernimmt. Die Heidekrautflächen sind schon recht braun. Der Pfad nach oben führt mitten hindurch, gesäumt von roten Wegkreuzen, die die Winterwege markieren.
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