Kirgistan haben sicher nicht viele Trekkingbegeisterte auf dem Schirm – zu Unrecht, denn das Land beeindruckt mit wunderschönen Bergpanoramen, glasklaren Bergseen und den charakteristischen Gipfeln des Tian-Shan-Gebirges. Johannes Melchers war im »Land der Reiter« unterwegs und konnte sich von der wilden Natur überzeugen.

Das in Deutschland noch weitgehend unbekannte Tian-Shan-Gebirge erstreckt sich über rund 2.500 Kilometer – vom Nordwesten Chinas über Kirgistan und Kasachstan bis nach Usbekistan. Seine höchsten Gipfel sind der in Kirgistan gelegene Pik Pobeda (7.439 m) und der markante Khan Tengri (7.010 m). Zwischen diesen beiden gewaltigen Bergen befindet sich der mächtige Inylchek-Gletscher, der sich über mehr als 80 Kilometer talwärts zieht und damit zu den größten Gletschern außerhalb der Polarregionen zählt.
Doch nicht nur die imposante Hochgebirgslandschaft macht Kirgistan zu einem außergewöhnlichen Reiseziel. Ebenso prägend ist die bis heute lebendige, nomadische Kultur der Kirgisen. Pferdezucht und das Leben in Jurten gehören nach wie vor fest zum Alltag vieler Menschen. Während der Sowjetzeit wurde zwar versucht, das Nomadentum durch Verbote und Zwang zu einer sesshaften Lebensweise zu unterdrücken, doch diese Tradition ließ sich nie vollständig verdrängen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion erlebt sie sogar eine bemerkenswerte Renaissance. Reiterfeste, Pferderennen und das sommerliche Leben auf den Hochweiden sind heute wieder selbstverständlicher Bestandteil der kirgisischen Kultur. Gleichzeitig haben Jurten und Pferde auch im Tourismus einen festen Platz gefunden – ein Umstand, der dazu beiträgt, dieses kulturelle Erbe langfristig zu bewahren.
Eines der beliebtesten Trekkinggebiete des kirgisischen Tian Shan liegt südlich der Stadt Karakol, die am Südufer des Issyk-Kul-Sees auf rund 1.750 Metern Höhe liegt. Die größten landschaftlichen Höhepunkte sind der intensiv türkisblau schimmernde Ala-Kul-See und der stark vergletscherte Pik Karakol (5.216 m). Beide Ziele lassen sich auf einer abwechslungsreichen, drei- bis viertägigen Trekkingtour miteinander verbinden und vermitteln einen umfassenden Eindruck von der wilden Hochgebirgslandschaft des zentralen Tian Shan.
Jurten und vergletscherte Berge
Die Trekkingtour zum Ala-Kul-See zählt zu den bekanntesten Wanderungen Kirgistans – allerdings scheint dieser Umstand nicht jedem einheimischen Taxifahrer geläufig zu sein. So brauche ich zwei Anläufe und reichlich Geduld, bevor ich schließlich mit gut zwei Stunden Verspätung aufbrechen kann. Einen eindeutig definierten Ausgangspunkt gibt es ohnehin nicht. Je nach Straßenzustand und Abenteuerlust des Fahrers endet die Fahrt irgendwo im Karakol-Tal.
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