Le Havre und Paris, ein ungleiches Paar. Verbunden durch einen Fluss. Die Seine. Und mit einem Radweg. Was man über den prominentesten Fluss Frankreichs vielleicht wissen möchte: Die Seine beginnt an ihrer Quelle in der Nähe von Dijon, fließt nach Westen durchs Pariser Becken, erreicht kurz vor Mitte ihres Flusslebens bei Kilometer 350 die Hauptstadt, altert in Schönheit auf weiteren 430 Kilometern und mündet nach insgesamt 777 Kilometern in den Ärmelkanal bei Le Havre.

Premiere jour: Paris und die Seine. Muss man nicht erklären. Die Hauptstadt und ihr Fluss – mehr Frankreich geht nicht. Ziel von 50 Millionen Touristen jährlich. Mitten drinnen wir. Zwei, die mit bepackten E-Bikes aus dem zentralen Bahnhof Gare Paris Saint-Lazare herausrollen. Auf Radspuren durch den Pariser Mittagsverkehr Richtung Place de la Concorde. Hier am Seineufer startet die Zweiradtour, die am Atlantik enden wird. Die erste Etappe beginnt mit Herzklopfen auf dem Quai d’orsay, Jogger überholend, im Slalom um Touristen, und vorüber an unzähligen Sehenswürdigkeiten. Keine Zeit. Wir wollen möglichst rasch hinaus aus der hektischen Metropole, biegen am Eiffelturm ab in den grünen Bois de Boulogne. Noch über die Hügel von Nanterre, und schon rollen wir hinunter nach Chatou mit der »Insel der Impressionisten« in der Seine. Ab hier verläuft der Radweg »Seine à Velo« verkehrsfrei im Schatten großer Bäume immer am Flussufer entlang. Hinter den Bäumen blitzt und blinkt das vom Wasser der Seine reflektierte Licht hindurch. Wir sind »sur la piste des impressionnistes«, auf der so genannten Straße der Impressionisten. Durchatmen.
Den Rest des Nachmittags lassen wir uns die Seine entlang flussabwärts treiben, lassen die Pariser Stadtteile und kulturellen Kostbarkeiten links und rechts liegen. Bis zum ersten Etappenziel sind es noch einige unterhaltsame Kilometer auf dem grünen Uferweg, den wir uns mit Radlern und Spaziergängern teilen. Mit der tiefstehenden Sonne erreichen wir Conflans-Sainte-Honorine, das charmante Städtchen am rechten Flussufer, über dem malerisch die l’église Saint-Maclou à Conflans thront. Unten am Quai soll in der langen Reihe der Frachtkähne unsere Unterkunft für die Nacht sein. Endlich, direkt am schönsten Ufer gehen wir an Bord eines großen Hausboots. Was für ein herrlicher erster Abschluss und Abend. Essen und Getränke haben wir uns in einem der Restaurants am Ufer geholt. Wir speisen auf der Terrasse in der warmen Abendsonne und legen das Besteck ab, wenn wir vorbeifahrenden Frachtschiffen und hell erleuchteten Kreuzfahrtschiffen zuwinken. Spätsommer an der Seine.
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