Der Fernradweg »Alte Salzstraße« folgt den historischen Transportwegen des einst so wertvollen Gewürzes und Konservierungsmittels zwischen Lüneburg und Lübeck-Travemünde. Unsere Autorin ist der Salzstraße mit einem Abstecher nach Ratzeburg von der Ostsee bis zum Lüneburger Salzmuseum gefolgt.

So wie unsere Fähre an diesem Abend von der Ostsee in die Travemündung gleitet, eröffnen sich uns vom Sonnendeck aus wunderbare Blicke auf das Strandbad und die historischen Stadthäuser von Travemünde. Einst fuhren von hier Handelsschiffe auf die Ostsee hinaus, um das in der Saline von Lüneburg gesiedete Salz zu ihren Handelspartnern zu verschiffen. Der Großteil des Salzes wurde zur Hansezeit und während des Mittelalters direkt im Ostseeraum gehandelt. Große Mengen an Salz waren etwa zur Konservierung der Heringsfänge nötig. Salzhering war lange Zeit ein wesentlicher Nahrungsbestandteil der Ostseeanrainer. Die saisonal gefangenen Fische mussten aber haltbar gemacht werden, damit die Menschen das ganze Jahr über etwas zu essen hatten. Salz war das Mittel dazu und war so wertvoll, dass man ihm den Beinamen »das weiße Gold« gab.
Mit der Fähre aus Schweden nach Travemünde kommend, wollen wir unsere Radreise dieses Mal nicht am dortigen Bahnhof beenden, sondern gleich zu einer neuen Tour aufbrechen und den historischen Wegen der Salzhändler auf dem Fernradweg Alte Salzstraße mit einem Abstecher nach Ratzeburg bis nach Lüneburg folgen. In der »Salzstadt« wurde das letzte Siedehaus 1980 geschlossen. Lüneburg blickt somit auf eine zehn Jahrhunderte währende Tradition der Salzgewinnung zurück, wie wir später im Deutschen Salzmuseum lernen werden. Zunächst bleibt uns aber noch etwas Zeit, um das maritime Flair der Hafenstadt zu genießen.
Wir schlendern am Traveufer entlang, setzen mit der Priwallfähre über und besuchen das Museumsschiff »Passat«. Die Viermastbark lief 1911 vom Stapel und segelte auf ihrer ersten Fahrt als Frachtschiff, etwa für Getreide und Kaliumnitrat, nach Chile. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 18 Knoten, das sind rund 33 Stundenkilometer, galt sie lange als eines der schnellsten Frachtschiffe der Welt. Ende der 1950er-Jahre wurde die »Passat« zum Schulschiff der Handelsmarine. Einige Jahre später verhinderte die Stadt Lübeck durch den Kauf die Abwrackung des Seglers und gestaltete ihn zum Museumsschiff um. Seither liegt das unter Denkmalschutz stehende Schiff am Priwall. Ein Schwesternschiff der »Passat«, die Viermastbark »Pommern«, heute ebenfalls ein Museumsschiff, konnten wir bereits in Mariehamn auf den Åland-Inseln besuchen.
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