Fantastische Kontraste warten am mit 415 Kilometern zweitlängsten Fluss Italiens. Begleiten anfangs die Gletscher des Ortlers, wird es zunehmend mediterraner. Historische Handelsstädte wie Meran, Bozen, Trient und Verona liegen ebenso am Weg wie Apfelhaine des Vinschgaus, Rebgärten der Südtiroler Weinstraße sowie Reisfelder der Tiefebene.

Die Landschaft kann so herrlich genussreich sein, wenn man auf das Fahrrad umsteigt. Besonders krass ist das im Vinschgau spürbar. Die beliebte Südtiroler Region wird, wie mittlerweile vielerorts, von Verkehr und Wirtschaftlichkeit gequält. Wo es möglich ist, versucht man mit Umfahrungstunneln, den Lärm und Gestank der nicht enden wollenden Fahrzeugkolonnen aus den Ortschaften zu halten. Hallen und andere Hässlichkeiten säumen die Durchgangsstraße. Wo ist das gemütliche, landschaftlich so reizvolle Vinschgau geblieben, das ich von früher her kannte, frage ich mich aus der Autoperspektive. Und dann, als sei ein Schalter umgelegt, sobald wir umgesattelt haben: üppiges Grün rundum. Hinter prächtigen Wiesen und Apfelhainen betten sich kleine Dörfer, überragt von Burgen. Hoch droben glitzern Schneegipfel. Der Etschradweg ist so perfekt gelegt, dass man vom Verkehr kaum etwas mitbekommt und die schöne Seite der großartigen Natur und Kultur mit allen Sinnen erfährt.
Der Adige, wie die Etsch auf Italienisch heißt, ist mit 415 Kilometern nach dem Po der zweitlängste Fluss Italiens und der längste Südtirols. Lustigerweise beginnt der Etschradweg in Landeck und nicht an seiner Quelle. Auch endet er in Verona und nicht an seiner Mündung ins Mittelmeer. Warum das so ist? Wir vermuten: wegen des besseren Anschlusses mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wie dem auch sei, uns interessiert der Fluss in seiner Gesamtlänge, und so starten wir unsere E-Bike-Tour in Reschen am Reschenpass, wo die Etsch entspringt. Ihrem Verlauf folgte die antike Via Claudia Augusta. Diese historische Römerstraße war eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Norditalien und Süddeutschland und führte von Donauwörth über Augsburg und den Fernpass ins heutige Südtirol bis nach Trient. Schon die Römer suchten nach leichten Wegen über die Alpen, und so ist auch der Etschradweg weitgehend leicht zu befahren, da er meist bergab verläuft.
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