Südostfrankreich ist ein Versprechen. Ein Versprechen von Licht, von Duft und von einer Landschaft, die sich wie eine dramatische Oper vor dem Reisenden entfaltet. Von den schroffen Gipfeln der Seealpen bis zum azurblauen Saum des Mittelmeers spannt sich ein Bogen, der Radfahrer anzieht. Doch wie fühlt sich dieser Traum an, wenn man ihn mit einem ambitionierten Solar-Experiment, einem 100-Kilogramm- Gespann und einer großen Portion emotionalem Gepäck in Angriff nimmt? Die Antwort ist eine Odyssee der Schönheit – und eine Liebeserklärung an das Unterwegssein.

Es gibt diesen einen, ganz bestimmten Moment am Anfang einer jeden Radreise. Es ist der Moment, in dem der letzte Reißverschluss der Packtasche geschlossen wird, der Fuß festen Halt auf dem Pedal findet und das statische »Daheim« gegen das dynamische »Unterwegs« getauscht wird. Gap, unser Startpunkt in den Hautes-Alpes, bietet dafür die passende Kulisse. Die Stadt liegt in einem Talkessel, beschützt von Bergen, die wie steinerne Wächter in den tiefblauen Himmel ragen. Die Luft hier oben ist anders – klarer, schärfer, angereichert mit der Vorfreude auf das Unbekannte.
Unser Plan ist kühn, vielleicht sogar ein wenig übermütig für zwei Radfahrerinnen, die den Großteil des Jahres am Schreibtisch verbringen. Eine 600 Kilometer lange Schleife liegt vor uns. Wir wollen die Alpen spüren, die Provence riechen und uns den Traum erfüllen, den Col de la Bonette, einen der höchsten asphaltierten Pässe Europas, zu bezwingen. Es soll eine Reise der Sinne werden, eine Flucht aus dem durchgetakteten Alltag hinein in die simple Realität des Tretens. Wir entscheiden uns, die Route gegen den Uhrzeigersinn zu fahren. Die Logik dahinter ist simpel: Die täglichen Herausforderungen von 1.000 bis 1.500 Höhenmetern sollen uns quasi »on the fly« trainieren, damit wir am Ende fit genug für das große Finale sind – den Bonette. Ein optimistischer Plan.
Wenn Technik auf Sehnsucht trifft
Ich blicke auf mein Gefährt und muss lächeln. Mein E-Bike ist mehr als nur ein Fahrrad; es ist mein Zuhause, mein Labor und mein Lastesel. Während Saskia auf ihrem klassischen Trekkingrad auf Minimalismus setzt, verfolge ich den Weg der maximalen Autarkie. An meinem Hinterrad zieht ein Anhänger, auf dem ein Solarpanel wie ein Segel in die Sonne ragt. Die Idee ist romantisch: Die unbarmherzige Sonne der Provence soll meinen Akku füllen.
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