Genussradeln in der Pamina-Region

Die unbekannte Seite des Elsass

Es gibt Regionen, die man nicht möglichst schnell durchqueren, sondern bewusst langsam erleben sollte. Die Pamina-Region zwischen Baden, Südpfalz und Nordelsass gehört dazu. Wer hier aufs Fahrrad steigt, entdeckt stille Auenlandschaften, lebendige Handwerkstraditionen, französische Genussmomente und Orte, die lange in Erinnerung bleiben.

TEXT/BILDER: CHRISTINA FESER

Die »New Orleans« kommt nur langsam voran. Schwer beladen schiebt sich das Rheinschiff stromaufwärts Richtung Basel, vorbei an der Murgmündung, wo ich im Sand stehe und ihm nachsehe. Für einen Moment stelle ich mir vor, wie wir gleich auf unsere E-Bikes steigen und am Ufer entlang davonziehen. Wahrscheinlich wären wir schnell vorneweg. Dann muss ich lachen. Genau solche Gedanken wollten wir doch eigentlich hinter uns lassen. Für die nächsten Tage steht nicht Geschwindigkeit auf dem Programm, sondern ein entspanntes Unterwegssein durch die deutsch-französische Grenzregion zwischen Mittlerem Oberrhein, Südpfalz und Nordelsass.

Wo die Rheinauen lebendig werden

Wir haben Rastatt hinter uns gelassen, sind keine zehn Kilometer entlang der träge dahinfließenden Murg geradelt und tauchen nun in die Auenlandschaft des Pamina-Rheinparks ein. Rechts und links des Hochwasserdamms, über den wir rollen, blühen Margeriten, Steinnelken, Wiesen-Flockenblumen, wilder Thymian, Bocksbart, Beinwell und Klee um die Wette. Dazwischen brummt, summt und zirpt es wie verrückt. Zauneidechsen sonnen sich auf den aufgeheizten Schottersteinchen. Wie lange, unfrisierte Bärte hängen die Luftwurzeln von den Ästen der Silberweiden in den Auwäldern. Der Baum hat sich an die häufigen und teilweise lang andauernden Überflutungen in den alten Rheinarmen perfekt angepasst. Im Schilf raschelt es und für einen Moment kommt Leben in das Landschaftsstillleben. Ein Graureiher hebt mit kurzen, kräftigen Flügelschlägen ab. Erst etwas schwerfällig, doch dann gewinnt er an Höhe und fliegt knapp über die Baumwipfel hinweg.

Bei Neuburgweier setzen wir mit der Fähre nach Neuburg am Rhein in die Pfalz über. Weiter geht die Fahrt auf der EuroVelo 15 Richtung Lauterbourg im Elsass. Wegen seiner Lage im äußersten Nordosten nennt sich das kleine Städtchen auch selbstbewusst »Porte de France« – das Tor nach Frankreich.

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