Korsika bildet die Kulisse für einen der berühmtesten Fernwanderwege Europas. Fast 200 Kilometer lang schlängelt sich der GR 20 zwischen den höchsten Gipfeln der Mittelmeerinsel.

Bei Sonnenaufgang taucht Korsika aus dem Meer auf. Wie ein Schiff voller Berge, das über dem Horizont zu schweben scheint!«, schwärmte einst Italo Calvino. Die Begeisterung des italienischen Autors für die bergige Insel teilen wohl die meisten Wanderer, die einmal auf dem GR 20 eben diese Berge durchquert haben.
Als die ersten Sonnenstrahlen durch das Tal gleiten, lasse ich den Rucksack ins Gras fallen und meinen Blick über die türkisfarbene Bucht von Calvi schweifen. Zu meinen Füßen leuchten die Dächer von Calenzana. Eine sanfte Brise treibt Geräuschfetzen aus der Tiefe heran: Hundegebell, Glockenläuten, das Knattern eines Mofas … Während ich weitersteige, verschwindet das große Hirtendorf langsam aus dem Blickfeld. Der nächste Ort heißt Conca und befindet sich 183 Kilometer weiter am Südende meiner Tour. Dazwischen liegen zwei Wochen auf dem GR 20, der sich in Nordwest-Südost-Richtung durch die komplette zentrale Gebirgskette der Insel windet. GR steht dabei für »Sentier de Grande Randonnée «, was auf Französisch Fernwanderweg bedeutet, die Zahl 20 entspricht dem ehemaligen französischen Departement Korsika.
Der Weg leitet zunächst durch die Macchia, später zwischen Kiefern empor. Weiter oben warten Felsen, Stahlseile und die ersten Kletterstellen. Wer hier nicht trittsicher und schwindelfrei ist, ist fehl am Platz. Unter Wanderern gilt der GR 20 als harter Brocken. Vor allem die Nordetappen mit ihren langen, steilen Felshängen, scharfen Graten und vielen (kleinen) Kletterstellen sind sehr anspruchsvoll.
Am schroffen Charakter des GR 20 hat sich seit meiner ersten Begehung vor gut 25 Jahren wenig geändert – umso mehr jedoch an der Infrastruktur. Proviant muss heute niemand mehr herumschleppen, denn in allen Hütten kann man inzwischen halbwegs vernünftig speisen und Vorräte ergänzen. Warme Duschen sind heute Standard und auch die gruseligen Hocktoiletten sind fast überall modernen Trockentoiletten gewichen, für die man keine fortgeschrittenen Yoga-Kenntnisse mehr benötigt.
…
Jetzt weiterlesen!
Den vollständigen Artikel mit beeindruckenden Bildern, Tipps des Autors, sowie ausführlichen Reise Infos finden Sie im trekking-Magazin 07/2026.
Jetzt im Online-Shop entdecken »
#9002 #wir_leben_outdoor



