Gravelbike auf der Carretera Austral

Südamerikas sagenumwobene Sackgasse

Die Carretera Austral gilt als eine der schönsten Fernstraßen der Welt und führt durch den zu Chile gehörenden nördlichen Teil Patagoniens. Zwei Freunde erkundeten diese sagenumwobene Route mit dem Rad. Ihre ständigen Begleiter: Staub und Wind – inmitten unberührter Wildnis.

TEXT: CHRISTIAN TOPEL / BILDER: ANDREAS JACOB

Am Ende, ganz am Ende erst, ergeben sich Geist und Körper, und die Erschöpfung bricht sich Bahn. Fabian Grafetstetter kann sich kaum mehr auf den Beinen halten. Jeder Muskel bebt, Hunger und Durst scheinen ihn innerlich aufzuzehren, und die von Staub zugekleisterten Lungen lechzen nach Luft. Später, im Holzbett einer spartanischen Cabana kauernd, wird er zwei Schlafsäcke benötigen, um den Schüttelfrost halbwegs im Zaun zu halten. Jetzt, fix und fertig vor dem großen Holzschild stehend, das Besucher in Villa O’Higgins begrüßt, bettet er den Kopf auf den Sattel seines Bikes und vergießt ein paar Tränen. Tränen, die nach der süß-salzigen Mischung aus Stolz, Dankbarkeit und Schmerz schmecken.

Fabians Freund und Begleiter, der Fotograf Andreas Jacob, hat die Szene auf einem Foto festgehalten. Schließlich war das der Deal: Er, der Fotograf, würde auf motorisierte Weise die Vorhut, die Nachhut und den Chronisten geben, während sich Fabian per Muskelkraft über die 1.240 Kilometer lange Strecke der Carretera Austral quält, die vielleicht längste Sackgasse der Welt, die durch den nördlichen Teil des chilenischen Patagoniens führt.

Patagonien, jener abseitige Landstrich, den der weltberühmte Autor Bruce Chatwin mit seinem Reiseroman »In Patagonien« zu einem Sehnsuchtsort machte. Sechs Tage von früh bis spät im Sattel galt es für Grafetstetter zu bewältigen: von Nord nach Süd durch den untersten Hemdzipfel Chiles. Von Puerto Montt, einer malerischen Hafenstadt im Norden Patagoniens, durch das Herz des patagonischen Andengebirges bis hier unten, nach Villa O’Higgins, wo die Zivilisation dann wirklich endet.

Mehr Wildnis als Straße

Um diesen bis dahin vom Rest des Landes weit abgeschlagenen, nur über den Luft- oder Seeweg beziehungsweise von Argentinien her erreichbaren Süden Chiles besser anzubinden, begann 1976 (noch unter Diktator Pinochet) der Bau jener Straße. Ein Mammutprojekt, das bis heute keinen Abschluss gefunden hat. Sehr zur Freude von Abenteurern aus aller Welt, die den spektakulären Weg mit Auto oder Motorrad, wandernd, trampend oder eben auf dem Bike auf sich nehmen. Sie alle genießen das, was einen »vernünftigen« Straßenbau verhindert.

GRAVEL Touren Magazin 01/2026 Cover

Jetzt weiterlesen!
Den vollständigen Artikel mit beeindruckenden Bildern, Tourdetails, An- & Abreiseinfos sowie Tipps zur Tour finden Sie im GRAVEL Touren Magazin 01/2026.
Jetzt im Online-Shop entdecken »

Verwandte Beiträge

Nichts mehr verpassen.

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Mit News zu unseren Magazinen und zu vielen weiteren Produkten aus unserem Verlagsprogramm. 

WIR HABEN DAS PASSENDE WEIHNACHTSGESCHENK!

Jetzt aus 17 Zeitschriften-Titeln & über 500 Produkten wählen!