Thomas Pfeiffer hat in den letzten 35 Jahren mit dem Fahrrad schon viel gesehen. Sein Motto lautet aber: »Das Beste liegt meistens vor der Haustür«. Inmitten des bevölkerungsreichsten Bundeslands Nordrhein-Westfalen hat er auf der Hohe Mark RadRoute viel Natur und einsame Wegführungen, gepaart mit kulturellen Highlights, erlebt.

Auf der Suche nach Touren in Deutschland lasse ich mich auch auf Radmessen inspirieren. So schlendere ich im Frühjahr durch die Gänge der »Rad + Freizeit«. Der Marketingsatz »Deine Extraspur Natur« weckt meine Aufmerksamkeit. Beim Durchblättern der Prospekte des Naturparks Hohe Mark finde ich die Fülle an Abwechslung auf dem Rundweg interessant: Niederrhein, Münsterland, Westfalen, Ruhrgebiet, Flüsse, Schiffskanäle, Wildpferde, Stauseen, einsame Wege durch unberührte Natur, Schlösser und weitere Kulturangebote. Die Hohe Mark macht Lust aufs Losfahren.
Sandstrand und sandige Spuren
Einige Wochen später schaue ich im Bocholter Bahnhofsbereich auf das Logo des 280 Kilometer langen Rundwegs: ein leuchtend grünes Rad auf weißem Hintergrund.
Nach den ersten Metern durch Bocholt halte ich am Sandstrand an. Die Bocholter Aa wird hier zu einem rund 32 Hektar großen See aufgestaut. Obwohl der Juli schon weit fortgeschritten ist, sieht man im Freibad keinen Gast. Der kühle Wind, die dunklen Wolken und die bescheidenen 22 Grad Lufttemperatur fühlen sich eher nach Herbst an.
Hinter Bocholt und Rhede wird es schnell ländlich. Auf den ruhigen Nebenstrecken, die parallel zur deutsch-niederländischen Grenze verlaufen, sehe ich Straßennamen wie Kiwittstegge, Waterstegge oder Mittbrake. Im Naturschutzgebiet Burlo-Vardingholter Venn bin ich schließlich mitten im Naturerlebnis angekommen. Hier ziehen die Radreifen auf der offiziellen Wegführung Spuren in den sandigen Fahrbelag. Das Venn ist ein grenzüberschreitendes Restmoorgebiet und Rückzugsraum für viele bedrohte Fauna- und Floraarten. Im Jahr 2001 wurde das Gebiet auf seine heutige Größe von 148 Hektar erweitert.
Nach weiteren Kurbelumdrehungen erreiche ich am Rande des Schutzgebiets das Kloster Mariengarden. Es wird von den Oblatenmissionaren geleitet. Schon auf dem Stichweg zur Klosterkirche fällt mir auf dem Nachbargrundstück ein restauriertes Bauernhaus auf. Ich finde den Zugang zum Bauernhaus Linfert, das auf dem Areal des Heimatvereins Burlo-Borkenwirthe e. V. steht. Mein Interesse bleibt nicht unbemerkt und wenig später erfahre ich von einem Vereinsmitglied, wie es zu diesem Projekt kam. Das westfälische Bauernhaus stand ursprünglich an einem anderen Ort, wo es zunehmend verfiel. Nach der Einigung mit der Gemeinde und der Denkmalbehörde erfolgte der Kauf und der Abbau der Immobilie. »Es ist aus dem 18. Jahrhundert und wir haben es mit vereinten Kräften weitgehend originalgetreu und fachmännisch wiederaufgebaut«, höre ich meinen »Guide« mit von Stolz erfüllter Stimme sagen.
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