Vulkanisches Bergland, tropische Wälder und weiße Sandstrände: Auf der östlich von Madagaskar gelegenen Insel La Réunion eröffnen ausgedehnte Wanderrouten auf den Pfaden der »Marrons« und eine entspannte Auszeit am Meer sehr unterschiedliche Wege, dem Alltag zu entkommen.

Bonjour Mafate, ça va?« Durch den Cirque de Mafate hallt die Stimme von DJ Johnny, gepaart mit dem Sound von Maloya, der einst verbotenen Musik des Widerstands auf der tropischen Insel La Réunion. Die Musik kommt aus einer Box im Weiler Îlet à Bourse. Dort betreibt Johnny Thomas seit fast zwei Jahrzehnten den Radiosender Mafate FM. Luftlinie liegt der Ort mit ein paar Häusern, einer Schule und einer Kapelle nur wenige hundert Meter von unserem Standort entfernt. Zu Fuß hingegen ist es ein zweistündiger Marsch durch eine der tief eingeschnittenen Schluchten, die sich durch die Caldera ziehen.
Die vulkanische Struktur der Landschaft sorgt dafür, dass »zu Fuß«, abgesehen von Hubschraubern, das einzige Fortbewegungsmittel im Mafate ist. Alle Zugänge in den Talkessel liegen oben am Berg. Wo Teerstraßen enden, beginnen bestens präparierte Wanderpfade, darunter der Fernwanderweg GR R3. Auf rund 100 Kilometern führen sie weder technisch noch ausgesetzt durch das Gebiet, fordern mit ihren zahlreichen Stufen aber Kondition.
Senkrechte, tausend Meter hohe Felswände und dunkle Basaltreliefs zeugen von der Entstehungsgeschichte der Insel, die vor drei Millionen Jahren durch vulkanische Aktivität aus den Tiefen des Indischen Ozeans aufstieg und ihren Höhepunkt im Hotspot-Vulkan Piton des Neiges fand. Als die Magmakammern einstürzten, entstanden drei Talkessel: Cirque de Cilaos, Cirque de Salazie und Cirque de Mafate. Während der erloschene Piton des Neiges mit 3.071 Metern als höchster Gipfel des Indischen Ozeans über der Insel thront, formt der aktive Vulkan Piton de la Fournaise die Landschaft bis heute.
Dass sich auch die Cirques weiter verändern, ist das Ergebnis fortwährender Erosionsprozesse, verstärkt durch Passatwinde und Zyklone. Vor allem von Januar bis März zeigt sich, was das bedeutet: Dann kann es in 24 Stunden dreimal so viel regnen wie in Berlin in einem Jahr. Jetzt im November ist die Luft im Bergland überraschend trocken, die Vegetation fast mediterran. Es riecht nach Eukalyptus, und der Ruf des zutraulichen, endemischen Vogels Tec-Tec begleitet die vielen Wanderer.
Klänge des Widerstands
Dass heute auf La Réunion reger Betrieb herrscht, täuscht darüber hinweg, dass die Insel lange Zeit gänzlich unbewohnt war. Erst 1663 ließen sich die ersten Siedler der französischen Ostindien-Kompanie auf der »Île de Bourbon« (wie die Insel bis 1794 hieß) nieder, begleitet von Frauen und Dienern aus Madagaskar. Der Kaffeeanbau sorgte für wirtschaftlichen Aufschwung, wurde später jedoch aufgrund der häufig wütenden Zyklone durch widerstandsfähigere Pflanzen wie Zuckerrohr ersetzt.
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