1.500 staubige Kilometer, vier lange Wochen, ein Land aus Lava, Gletschern und ständig wechselndem Wetter: Eine Radtour rund um Island führt durch eine der eindrucksvollsten und unwirtlichsten Landschaften Europas.

Sanft setzt das Flugzeug auf der Landebahn von Keflavík auf. Direkt an der Rollbahn beginnt eine kahle Lavalandschaft bis zum Horizont, und die frische, kühle Luft macht sofort klar: Wir sind tatsächlich in Island. Kurz zuvor haben wir aus dem Flugzeugfenster beobachtet, wie unsere gut verpackten Räder recht lieblos aus dem Bauch der Maschine auf die Laderampe fielen. Umso erleichterter sind wir, dass sie sich beim Zusammenbauen vor dem Flughafen als unversehrt erweisen.
Auf dem Seitenstreifen einer mehrspurigen Schnellstraße radeln wir in Richtung Reykjavík – in Deutschland hätte uns die Autobahnpolizei längst eingefangen – und schon jetzt beeindruckt die Landschaft: links glitzert der Ozean, rechts taucht die untergehende Sonne eine Ebene aus dunklem Vulkangestein in oranges Licht. In die überraschend trubelige Hauptstadt führt uns nur ein kurzer Abstecher, um Vorräte für die lange Reise einzukaufen. Über gut ausgebaute Radwege und ruhige Nebenstraßen geht es anschließend weiter zum Þingvellir- Nationalpark. Hier treffen Natur und Geschichte aufeinander: An der Grabenbruchzone driften die nordamerikanische und die eurasische Kontinentalplatte auseinander; zugleich tagte hier von 930 bis ins späte 18. Jahrhundert jährlich das Althing, eine der ältesten parlamentarischen Institutionen der Welt.
Auf dem Kjalvegur durch das Hochland
Vorbei am Geysir Strokkur, der etwa alle zehn Minuten eine Fontäne ausspuckt, und dem gut 30 Meter hohen Gullfoss – mit Þingvellir die drei Stationen des Golden Circle und zu Recht entsprechend gut besucht – biegen wir auf den Kjalvegur ein, die zweitlängste Hochlandpiste Islands. Sofort zeigt die Insel ihr wildes Gesicht: Aus frisch asphaltierten Straßen werden holprige Wellblechpisten, aus entspanntem Dahinrollen ein zäher Kampf gegen tiefen Lavasand, und jedes überholende Auto lässt uns in einer Staubwolke zurück.
Dafür entfaltet sich hier der eigentliche Reiz der Insel: keine Häuser, nur endlose steinige Ebenen mit Gletscherflüssen; und während wir uns am Geothermalgebiet von Hveravellir unseren ersten Hotpot gönnen – das 80 Grad heiße Wasser der nahen Quelle wird zum Glück auf angenehme Badewannentemperatur heruntergemischt – schimmern am Horizont weiße Eiskappen.
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