Radfernweg Thüringer Städtekette

Mitten durch Deutschlands Herz

Der Radfernweg Thüringer Städtekette verbindet sieben der schönsten Thüringer Städte. Als Teil der D4-Route ist er an das deutschlandweite Fernradwanderwegenetz angebunden und verbindet die Wartburgstadt Eisenach im Westen des Freistaats mit der Skatstadt Altenburg im Osten.

TEXT/BILDER: MAXIMILIAN SEMSCH

Es ist das Jahr 1799. Ein früher Abend senkt sich über Weimar, die Gassen liegen ruhig, nur vereinzelte Schritte hallen über das Kopfsteinpflaster. Ein Mann verlässt sein Haus, ein Manuskript unter dem Arm, und macht sich auf den Weg zu seinem Nachbarn. Kaum fünfhundert Meter sind es, ein kurzer Gang durch die Altstadt – und doch tragen diese Seiten Gedanken in sich, die weiter reichen als dieser Abend. Hinter verschlossenen Türen wird bei Kerzenschein gelesen, gestrichen, diskutiert, widersprochen. Worte werden gewogen, Verse verworfen, neue Ideen geboren. Am Tisch sitzen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller, die bis heute als die bedeutendsten Schriftsteller unseres Landes gelten, im engen Austausch, im gemeinsamen Ringen um Sprache und Form.

Mehr als zwei Jahrhunderte später lässt sich diese Strecke noch immer zurücklegen. Weimar ist dabei nur eine von mehreren Stationen eines kulturellen Netzwerks, das Thüringen über Jahrhunderte prägte. Wer heute auf der Thüringer Städtekette mit dem E-Bike unterwegs ist, folgt nicht einer einzelnen Episode, sondern einer Linie durch sieben Städte – von Altenburg bis Eisenach –, auf der Spur deutscher Geistesgeschichte durch eine Landschaft, die seit der Reformation, der Aufklärung und der Klassik zu den geistigen Zentren des Landes zählt.

Als Teil der D4-Route ist die Thüringer Städtekette an das deutschlandweite Fernradwanderwegenetz angebunden. Mit einer Länge von circa 230 Kilometern lässt sich der Radweg in drei bis vier Tagen gemütlich abfahren, perfekt für einen Kurzurlaub oder ein verlängertes Wochenende auf dem Fahrrad. Alle Städte entlang des Radfernwegs Altenburg, Gera, Jena, Weimar, Erfurt, Gotha, Eisenach sind an das Streckennetz der Deutschen Bahn angeschlossen. Somit können auch Teilabschnitte des Radweges bequem abgefahren werden und der Radweg ist in beide Richtungen befahrbar. Nach der Anreise im Zug nach Altenburg beginnt meine Tour ganz im Osten Thüringens. Über der Stadt thront das Residenzschloss, ein erstes sichtbares Zeichen dafür, dass Geschichte auf dieser Reise kein Beiwerk ist, sondern ein ständiger Begleiter. Schon beim Losrollen wird klar: Die Städtekette ist kein urbaner Radweg, sondern führt von Beginn an hinaus ins Grüne.

Von Altenburg nach Gera

Hinter Altenburg verlässt die Route schnell die Stadt und folgt sanft geschwungenen Wegen durch Felder, kleine Waldstücke und ruhige Dörfer. Der Verkehr bleibt im Hintergrund, stattdessen bestimmen offene Landschaften und gleichmäßige Anstiege das Fahrgefühl. Immer wieder öffnen sich weite Blicke ins Thüringer Hügelland, bevor sich die Strecke entlang der Weißen Elster allmählich nach Gera hin orientiert – ein entspannter Auftakt, der Zeit lässt, im Rhythmus der Reise anzukommen.

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