Radtour entlang der 100-Schlösser-Route

Keine andere Region in Deutschland zählt so viele Wasserschlösser wie das Münsterland. Am besten entdeckt man sie bei einer Radtour entlang der 100-Schlösser-Route. Zur Auswahl stehen vier Rundwege. Der Südkurs ist der kürzeste und bietet die größte Dichte an Schlössern.

TEXT/BILDER: ERIK VAN DE PERRE

Das Erste, was einem auffällt, sobald man in Münster aus dem Zug steigt, sind die Fahrräder. Unzählige Fahrräder. In Münster ist der Radfahrer König. Auf 300.000 Einwohner kommen gut 400.000 Fahrräder. Die Stadt verfügt über mehr als 470 Kilometer Radwege und viele Fahrradstraßen, auf denen Autofahrer nur zu Gast sind. Und dann ist da noch die Promenade, ein 4,5 Kilometer langer, autofreier Grüngürtel, der die historische Altstadt komplett umgibt und ausschließlich Fußgängern, Joggern und Radfahrern vorbehalten ist.

Es wundert daher nicht, dass die »Fahrradhauptstadt Deutschlands« auch Ausgangspunkt einer der schönsten Fernradwege des Landes ist. Die 1.000 Kilometer lange 100-Schlösser-Route verbindet mehr als hundert mittelalterliche Burgen, prächtige Barockschlösser und Renaissanceschlösser mit weitläufigen Gärten sowie stattliche Landhäuser. Dabei fallen vor allem die vielen Wasserschlösser ins Auge. Für ihre Entstehung gibt es verschiedene Gründe.

Bis zum Wiener Kongress (1814–1815) war die Macht im Münsterland stark zersplittert. Jeder lokale Herrscher oder Kirchenfürst musste Macht und Status durch einen repräsentativen Landsitz untermauern. Da es in der flachen Landschaft kaum geeignete Felsformationen für den Bau von Burgen gab, suchten die Menschen zum Schutz vor feindlichen Angriffen ihr Heil in Wasserburgen, die von »Gräften« (Wassergräben) umgeben waren. Dank des fruchtbaren Bodens wurde zudem gut gewirtschaftet, sodass viele Schlossherren wohlhabend waren.

Eine Radtour von 1.000 Kilometern ist natürlich kein leichtes Unterfangen. Daher beschlossen die Initiatoren der 100-Schlösser-Route, die Strecke in vier übersichtlichere Rundtouren aufzuteilen. Der Westkurs (322 Kilometer), der an die Niederlande grenzt, führt an Seen, Wäldern und Mooren vorbei. Der Nordkurs (298 Kilometer) verbindet die flache Landschaft um Münster mit dem hügeligen Tecklenburger Land. Der Ostkurs (241 Kilometer) schlängelt sich durch das östliche Münsterland bis zur »Pferdehauptstadt« Warendorf. Unsere Wahl fällt auf den Südkurs (208 Kilometer) mit der größten Schlösserdichte.

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