Das Vogtland wird nicht unbedingt unter den Top Ten der Traumziele Europas gelistet. Man muss schon selbst drauf kommen. Und das ist auch gut so. Denn die relative Unbekanntheit dieser Region zwischen Sachsen, Thüringen, Bayern und Tschechien hat Stille, Entspannung und viel Platz zur Folge. Dazu kommt noch jede Menge Wasser.

Wir wollen wandern gehen, so richtig schön, auf abwechslungsreichen, idyllischen Wegen und Pfaden, nie zu steil bergauf, nie zu lange bergab. Durch üppige Wälder und grüne Landschaften streifen. Mit viel frischer Luft, die nach dem üppigen Holz der riesigen Fichten, nach Tanninen, Kräutern und Erde duftet – durch kein Aromastäbchen zu ersetzen. Das alles haben wir im Vogtland vorgefunden: intakte Wälder ohne große Sturmschäden und (noch) ohne Borkenkäfer. Waldbaden erster Klasse in Mitteldeutschland.
Der Elsterperlenweg
Das ist tatsächlich eine Perle unter den Wanderwegen im Thüringer Vogtland. Nicht nur wegen der Schönheit des Wegs entlang des Elstertals, es gab hier auch tatsächlich Perlen. Im Fluss wurden über Jahrhunderte Perlen und Perlmuttschalen der hier vorkommenden Flussperlmuscheln geerntet. Dazu später mehr, im neuen und sehr spannenden Perlmuttermuseum in Adorf. Der Name Elster hat übrigens nichts mit dem schwarzweißen Rabenvogel zu tun. Der Ursprung ist indogermanisch – die »eilig Fließende«. Passend dazu gibt es da noch die Namenscousine Alster in Hamburg. Die vogtländische »Weiße Elster« – die Farbe Weiß wegen ihrer Trübung durch den hohen Nährstoffgehalt – entspringt im Elstergebirge kurz hinter der Grenze in Tschechien und mündet bei Gera in die Saale. »Wer in der Elster ertrinkt, ist nur zu faul zum Aufstehen«, sagt man hier wegen des weitgehend niedrigen knietiefen Wasserstands des gemütlichen Flusses.
Die malerische Kreisstadt Greiz besitzt gleich zwei Schlösser und ist Ausgangs- und Endpunkt der sechs Etappen des Elsterperlenwegs. Drei davon führen nordwärts am linken Ufer bis Wünschendorf, auf den Etappen vier bis sechs geht es auf der anderen Seite gegen die Fließrichtung wieder zurück nach Greiz. Jede Etappe beginnt oder endet praktischerweise mit einer Haltestelle der Vogtlandbahn, die uns akustisch mit ihrem Pfeifen durchs Tal begleitet. So lassen sich die 72 Kilometer ganz leicht und nach Wetter, Lust und Laune einteilen.
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