Gran Guanche bezeichnet eine herausfordernde Ultracycling‑Route auf den Kanarischen Inseln, die über mehrere große Inseln führt und mehr als 700 Kilometer sowie 16.000 Höhenmeter umfasst. Während manche Teilnehmer die Strecke als sportliche Höchstleistung angehen und auch mal nachts fahren, nehmen es vier Schweizer Freunde eher entspannt – ohne Stoppuhr und mit ausgeschaltetem »Rennmodus«. Das Ergebnis: spektakuläre Landschaften, clevere MacGyver‑Hacks und jede Menge Abenteuer.

Kennt ihr diesen Moment, wenn man ehrlich zu sich selbst sein muss? Früher, als Junior, bin ich Rennen gefahren. Ich hatte diesen Traum, den wohl jeder junge Biker mal hat: das Nationaltrikot, Olympia, die ganz große Bühne. Aber irgendwann kam der Realitätscheck. Ich habe schnell gemerkt, dass ich nie auf den grünen Zweig komme. Ich würde nie in einem WM-Kader fahren. Punkt.
Das Rennfieber ist verflogen, aber die Liebe zum Rad blieb. Vom Mountainbike ging’s aufs Gravel. Und dann schickte mir ein Kumpel diesen Link: Gran Guanche. Ein Ultra-Rennen über die Kanaren. Ich scrolle durch die Webseite, sehe die Distanzen, die Höhenmeter, den Schlafmangel und denke mir sofort: »Vergiss es. Das ist nichts für mich. Das reizt mich null.«
Doch fast zeitgleich hatte mein guter Freund Matt dieselbe Idee. Er sah dieselben Bilder, dieselbe Route, aber er zog einen anderen Schluss. Er rief mich an und sagte diesen einen Satz, der alles veränderte: »Hey, komm! Wollen wir nicht das Gran Guanche machen? Aber wir killen die Stoppuhr. Wir machen das nicht im Rennmodus.«
Und so saßen wir im Winter 2025 über den Karten und brüteten Pläne aus. Die Idee: die Originalroute ballern, aber zu unseren Bedingungen. Wir sind vier Schweizer, eine Truppe, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnte. Da ist zunächst Matt, unser Mastermind und Planer, der die Route besser kennt als seine Westentasche. Dann haben wir Thomas, den Wilden in unserer Runde, der Mountainbike und Gravel fährt, als gäbe es kein Morgen. Für die nötige Ruhe sorgt Aldo, unser Routinier, den absolut nichts erschüttern kann. Und schließlich bin da noch ich, der Typ mit der Kamera, der ständig versucht, diese Wahnsinnsmomente einzufangen.
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