Südschwarzwald – Vom Hochrhein bis zum Feldberg

Vom Hochrhein steigt der Albsteig hinauf zu Feldberg und Herzogenhorn. Dazu zeigen Genießerpfade auf ihren Tagesrunden, was den Südschwarzwald ausmacht: rauschendes Wasser, abgelegene Hochweiden, Moore und ein geheimnisvoller Karsee.

TEXT/BILDER: BEATE WAND

Beim Blick über das grüne Eisengeländer wird klar, warum der Albsteig in der ersten Stunde fernab des Flusses an Höhe gewinnt: Die Hänge formen eine Schlucht. Darin geht es zu wie auf der Murmelbahn eines Riesen – ein Ergebnis der enormen Kraft des bis zu 25 Kilometer langen Albgletschers, der sich einst sogar durch Granit biss. Sein Eis und Schmelzwasser formten das Tal der Alb am Südhang des Schwarzwalds. Auf nur 44 Kilometern rutscht der Fluss vom höchsten deutschen Mittelgebirgsgipfel, dem Feldberg, in den Hochrhein – über 1.000 Höhenmeter tiefer. Seit dem Start quert der Albsteig den Fluss hier auf dem Studinger Steg zum ersten Mal wieder. Darunter schimmern bizarr geformte, helle Brocken. Durchgeschüttelt und rundgeschliffen von der Kraft des Schmelzwassers bahnen sie der Alb einen schmalen Durchlass. Am Flussbett wäre kein Durchkommen.

Also führt der Albsteig bei Schachen weit oberhalb der unwegsamen Schlucht durch ein Gebiet mit wilden Gämsen. Er beginnt am Bahnhof von Albbruck. Dort steht ein übermannshoher Torbogen in Form einer Flussschleife. Wer den roten Knopf drückt und richtig steht, bekommt eine kleine Dusche mit auf den Weg. Über gut 83 Kilometer folgt der Weg der Alb hinauf zum Dach des Südschwarzwalds, sammelt etwa 2.700 Höhenmeter und »schwimmt« dabei gegen den Strom: von der Mündung bis zu seinen beiden Quellarmen, der Menzenschwander und der Bernauer Alb.

An der unteren Steilflanke des Schwarzwald- Südabfalls bleibt das Tal eng und kühl: unten Wasser, oben Wald, dazwischen Fels. Erst in der Nähe von Görwihl am Höllbach weitet es sich und wirkt wie ein Strandbad unter Bäumen. Mooskissen polstern die dicken Steine am Ufer, und bei der Mündung sind die Steinchen der Kiesbank so fein zerrieben, dass sie sich unter den Füßen wie Sand anfühlen. Im Wasser signalisiert ein stechender Schmerz allerdings sofort: viel zu kalt. Ein paar Schritte weiter stürzt der Höllbach am Hauptfall 8,5 Meter tief. Gischt legt sich auf die Haut, das Rauschen durchspült den Kopf, schwemmt jeden Gedanken fort – ankommen im Augenblick fällt hier leicht.

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