Die 860 Kilometer lange Radroute quer durch Deutschland, von Mannheim nach Bayreuth, quillt über vor mittelalterlichem Prunk, protzt mit Barock. Eingebettet in die lieblichen Flusslandschaften von Neckar, Kocher und Tauber schlängelt sich der Radweg durch Flussauen und Moore, zwischen Weinbergen und den bizarren Felsgipfeln der Fränkischen Schweiz hindurch – stets die nächste Burg im Visier.

Allein im Heidelberger Schlossgarten »Hortus Palatinus«, dem Pfälzer Garten, ließe sich tagelang lustwandeln. Der Tiefblick von dort oben auf den Neckar und die Karl-Theodor-Brücke mit ihren neun Bögen, den prächtigen Toren und Statuen, erzeugt Gänsehaut. Millionen Gäste aus aller Herren Länder können nicht irren. »Die Stadt in ihrer Lage und mit ihrer ganzen Umgebung hat, man darf sagen, etwas Ideales«, resümierte unser Dichterfürst J. W. von Goethe schon 1797. Der stets reimende und selten verneinende Schwerenöter Goethe traf sich dort im Alter von 65 Jahren regelmäßig mit seiner letzten großen Liebe und Muße, der Dichterin Marianne vom Willemer auf der Scheffelterrasse. Ihre gemeinsame dichterische Leidenschaft inspirierte sie gegenseitig zu Versen, die Goethe in den »West-östlichen Divan« aufnahm. Zur Erinnerung an die Beziehung der Liebenden ließ man 1919 im hinteren Schlosspark eine Bank aus Muschelkalk aufstellen. Der Wiedehopf im Zentrum der Bank gilt im Orient als Lieblingsbote, wie sich dank einer Tafel, daneben erfahren lässt.
Mark Twain betrachtete Heidelberg im 19. Jahrhundert etwas gestelzt als »äußerste Möglichkeit des Schönen «. Heidelberg, das seit dem 18. Jahrhundert als Inbegriff der Romantik gilt, wäre allein schon die Reise wert. Leider haben wir hier nur einen Nachmittag. Denn bei veranschlagten zehn Tagen errechnet sich auf unserer 860 Kilometer langen Burgen- und Schlösser-Route von Mannheim nach Bayreuth ein Tagesschnitt von 86 Kilometern. Und das mit herkömmlichen Drahteseln. Nur gut, dass es Mitte Juni bis 21 Uhr hell bleibt. Wir müssen uns also sputen. Eine Stippvisite im weltberühmten Studentenkarzer, der ältesten Universität Deutschlands, muss allerdings drin sein. Die Graffitis in sechs komplett ausgemalten Räumen, vor allem der Oktopus mit der polizeilichen Pickelhaube, der die trunkenen Studenten einsammelt, sind sehenswert.
Direkt dahinter schließt sich die alte Aula der Universität an, die 1886 anlässlich des 500-jährigen Bestehens der ältesten Universität Deutschlands eingerichtet wurde. Wir kommen gerade rechtzeitig zu einer Führung des Kunsthistorikers Herrn Grabolle, der seinerzeit hier studierte. »Der Großherzog Friedrich von Baden ließ diesen Prachtsaal im Stile der Neo-Renaissance einrichten und orientierte sich dabei an den Malereien Raffaels für den Vatikan. In der Aula sehen wir meisterhafte Wandgemälde und Deckenfresken, mit allegorischen Damenfiguren wie z. B. für die Theologie mit Bibel und den 10 Geboten, Jura, Medizin, Philosophie und den freien Künsten – den Gründungsfakultäten der Universität Heidelberg. Heute prägen über 35.000 Studenten das Stadtbild und die Universität genießt weltweit Exzellenz-Status.«
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