Via Allier – Ein Radfernweg mit Suchtpotenzial

Vom sanften Flusstal in raue Schluchten

Über die Hälfte der Strecke zeigt sich die Via Allier recht moderat. Dann presst sich der Radfernweg durch die enge Allier-Schlucht und zieht sich anschließend schweißtreibend aus dem Flusstal heraus. Unser Autorenteam kam bei den angezeigten Höhenmetern ordentlich ins Schwitzen und war fasziniert von den unterschiedlichen Landschaftseindrücken und -aussichten.

TEXT: SILKE ROMMEL / BILDER: THOMAS RATHAY

Stadtführerin Myriam führt uns in die Basilika Saint-Julien, den großen Stolz des Städtchens Brioude. Begeistert zeigt sie uns den kunstvoll gestalteten Fußboden, der aus Steinen aus dem Allier gelegt ist. Erst 1963 wurde er beim Einbau einer Fußbodenheizung entdeckt und freigelegt. Das Bodenmosaik sowie die modernen Fensterdekore lassen sich besonders gut von der Empore aus betrachten. Diese sind so angeordnet, dass die Motive im Norden eher in warmen und im Süden in kühleren Farben gestaltet sind. Je nach Tageszeit herrschen dadurch ganz verschiedene Stimmungen. Auch die zahlreichen Kneipen und Cafés mit Außenbestuhlung tragen zur schönen Atmosphäre im Ort bei. Den Abend verbringen wir sehr entspannt im Innenhof unserer Auberge bei einem regionalen Drei-Gänge-Menü.

Panoramen und 360-Grad-Pirouette

Erstmals stuft unser gedruckter Via-Allier-Guide die heutige Etappe als »schwer« ein. Wir starten mit vollen Akkus nach Vieille-Brioude. In dem alten Weindorf steht eine riesige Torkel. Über den Allier führt uns eine Brücke, die auf schlanken Pfeilern markant in die Höhe strebt. Die steinerne Brücke, die Kirche und die Stadtmauer im Hintergrund schmiegen sich zu einem malerischen Fotoensemble zusammen. Es folgen kleine Dörfer mit üppigem Blumenschmuck vor den Häusern, bevor der massive Basaltfels von Saint-Ilpize vor uns auftaucht. Ehrfürchtig blicken wir hinauf zu dem Gesteinsbrocken, auf dem die Überreste der mittelalterlichen Burg samt Kapelle stehen. Die Auffahrt ist mit dem Bio-Bike eine echte Herausforderung und will gut überlegt sein. Wer sich diesen anspruchsvollen Abstecher spart, wird trotzdem belohnt. Direkt am Radweg, auf der anderen Flussseite, wartet ein Picknickplatz mit Premiumblick auf den mächtigen Felsen.

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