Die Wild Coast ist Südafrikas Paradies im Osten: unberührte Strände, ins Meer stürzende Wasserfälle, ein paar verstreute Dörfer mit Rundhütten. Der sechstägige Wild Coast Trail südlich von Port Edward ist ein Versuch der Einheimischen, ihr kleines Paradies mit Wanderern zu teilen und es vor Erschließungsplänen zu schützen.

Herrlich, dieser trockene Humor der Südafrikaner! Ohne das geringste Zucken in den Mundwinkeln hatte der alte Herr auf meine Frage nach unserer Lodge zurückgedeutet auf die andere Talseite und geantwortet: »Na, die ist da oben.« Wie oft er sich diesen Witz wohl schon erlaubt hat mit Wanderern, die die Mkhambathi Lodge nicht finden?
Ich lache fröhlich, auch wenn ich nach diesem langen Tag eigentlich nur noch die nassen Schuhe ausziehen und die Füße hochlegen will. Erwartungsvoll schaue ich ihn an. Okay, du hast deinen Spaß gehabt, aber jetzt wäre Zeit für die korrekte Antwort, denke ich mir. Doch der alte Herr blickt mich verständnislos an. Langsam, sehr langsam, macht sich in meinem Kopf ein Gedanke breit: Der meint das ernst! Der macht keine Witze! Hilfesuchend schaue ich seine Freunde an, die auf der Terrasse des Ferienhauses ihren Nachmittagstee trinken. Keiner lacht.
In meinem Kopf läuft der Film der letzten Stunden rückwärts: zurück zum Msikaba-Fluss, heraus aus den Wanderklamotten, rein in die Badesachen. Rucksack, Schuhe und Stöcke wasserdicht verpacken, die 300 Meter durchs eiskalte Wasser zurückschwimmen, wieder anziehen, den Berg hinauf zu den verlassenen Gebäuden, die vielleicht doch unsere gebuchte Übernachtung sind. Und dann? Vor gut einer Stunde waren wir dort drüben in einem Geisterdorf angekommen: keine Menschenseele, alles verschlossen, verwahrlost. Von einem der Häuser waren nur noch die Mauern gestanden, kein Dach, keine Fenster und statt der Bodenplatte bereits ein Urwald mit meterhohen Bäumen. Die anderen Gebäude waren etwas besser in Schuss.
Spannendes Niemandsland
»Ihr könnt es im Pondo Camp versuchen,« reißt mich eine Stimme aus den Gedanken. Einer der Teegäste hat erkannt, wie niedergeschlagen wir sind und dass wir ein Dach über dem Kopf brauchen. Das Camp, das ein paar Minuten unterhalb liegt, könnte die Lösung für unser Problem sein.
Es ist unser zweiter Tag am Wild Coast Trail. Wir sind im Niemandsland zwischen Port Edward und Port St Johns, wo die südafrikanische Ostküste einen ihrer letzten nahezu unberührten Küstenstreifen erhalten hat. Früher zerschellten hier die Schiffe an den Felsklippen. Wer die raue See durch ein Wunder überlebte, kam im dahinter liegenden Gebiet der Mpondostämme, dem so genannten Pondoland, nicht weiter. Die einzige Siedlung war damals Port Grosvenor, eine Leprastation, die man hierher verbannt hatte, weil es im weiten Umkreis niemanden gab, den man hätte anstecken können. Der Mond hatte eine bessere Verkehrsanbindung als die Wild Coast. Viel hat sich seitdem nicht geändert.
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