Es gibt Straßen, die mehr sind als Asphalt. Die Küstenstraße am Golf von Korinth gehört dazu: Rechts das türkisfarbene Meer, das in der Sonne glitzert, links Olivenhaine und karge Hügel, dazwischen weiß getünchte Dörfer. Wer hier mit dem Camper unterwegs ist, fährt nicht einfach von A nach B – er rollt durch Postkartenmotive. Und dann sind da die kulturellen Schwergewichte: das antike Heiligtum von Delphi, das byzantinische Kloster Hosios Lukas, lebendige Hafenstädtchen und Ouzerien, in denen der Abend bei einem Glas Anisschnaps und Meeresrauschen ausklingt. Die Route von Mesolongi bis Athen vereint Natur, Geschichte und Genuss auf engem Raum – ideal für eine entschleunigte Camperreis

Startpunkt der Reise ist Mesolongi – auch bekannt als »Stadt des Aals«. Rund um das Zentrum breiten sich weite Lagunen aus, durchzogen von Holzstegen und flachen Fischerhütten. Hier wird seit Generationen Aal gezüchtet; die Fischerei ist nicht nur Erwerbsquelle, sondern gelebte Tradition. Wer früh unterwegs ist, erlebt die Lagunen in ihrem schönsten Licht: Nebelschwaden über dem Wasser, Pelikane auf Futtersuche und mit etwas Glück sogar Flamingos, die gemächlich durch das seichte Wasser staksen.
Im Salzmuseum am Ende der Straße um die Lagune erfährt man, warum das »weiße Gold« für Mesolongi einst von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung war. Danach lädt die charmante Altstadt zum Flanieren ein: kleine Plätze, hübsche Straßenzüge, schattige Cafés. Am Abend gehört die Bühne dem Aal. In den Tavernen wird er gegrillt, gekocht oder geräuchert serviert. Dazu ein paar Mezedes, wie die kleinen griechischen Vorspeisen heißen, das Klirren der Weingläser – und schließlich ein gut gekühlter Ouzo in der Ouzerie Trikene. Spätestens jetzt ist man angekommen.
Rio-Andirrio-Brücke
Die Route führt weiter Richtung Andirrio, und schon von Weitem erblickt man die Rio-Andirrio- Brücke, eines der beeindruckendsten Ingenieurbauwerke Europas. Elegant spannt sie sich über den Golf von Korinth und verbindet seit 2004 das griechische Festland mit dem Peloponnes.
Rund 2,9 Kilometer misst die Schrägseilbrücke, deren gewaltige Pfeiler tief im Meeresgrund verankert sind. Erdbeben, starke Winde, komplexe Bodenverhältnisse – all dem wurde bei ihrer Konstruktion Rechnung getragen. Ein kurzer Halt auf einem der Parkplätze lohnt sich: Der Blick zurück auf die Brücke, das Meer und die vorbeiziehenden Schiffe bleibt im Gedächtnis.
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