Vollzeit unterwegs im Campervan, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern und spannenden Orten. Was als Sehnsucht nach Freiheit begann, hat sich zu einem Lebensstil entwickelt, der meine Leidenschaft des Reisens mit meiner Arbeit und meinem Leben auf eine einzigartige Weise verbindet. Wie ist es eigentlich, wenn das »Vanlife« statt einem Urlaubserlebnis zum Alltag wird? Wie sieht das Leben hinter den »Traumkulissen« am Strand oder in den Bergen aus? Wie verdient man sich unterwegs seine Brötchen und wo bekommt man die überhaupt her? Alltägliche Dinge wie Wasser, Strom und Stellplatz-Suche können zu Tagesfüllenden Aufgaben werden und nicht selten lauert irgendwo dazwischen immer wieder eine spannende Überraschung.

Aneinandergereiht wie Dominosteine stehen sie da unten, ein Kasten am nächsten: Wohnwagen an Wohnwagen. Unmittelbar dahinter die Küstenstraße, auf der alle paar Minuten ein Auto vorbei rauscht. An dem dunkelbraunen Sandhügel ordnet sich eine weiße Häuserreihe an die nächste. Ganz vorn befindet sich die riesige blaue Fläche des Ozeans. Jeder will hier, an der spanischen Costa Del Sol, in der ersten Reihe stehen, nur wir nicht. Wir begnügen uns mit einem Logenplatz oberhalb dieser Szenerie und genießen die Einsamkeit. Gemütlich meinen Espresso schlürfend, lasse ich meinen Blick über die sensationelle Aussicht schweifen, über die rostrote Hügellandschaft und das Meer, in das am Abend die rote Sonne verschwindet.
Mein Freund Pierre ist in unserem rustikal-gemütlich ausgebauten Mercedes-Benz Sprinter und bereitet unser Frühstück zu. Unser Vierbeiner springt fröhlich über den warmen Sandboden und steckt hier und da die Nase in eines der ausgedörrten Grasbüschel. Eine einsame Serpentinenstraße hat uns über ein Dutzend Kurven den Hang hinauf zu diesem Fleckchen geführt. Kaum eine Menschenseele verirrt sich hier hin, da die staubige, löchrige Piste bereits ein Stückchen weiter vorn bei einer Fernsehantenne endet. Hier stören wir niemanden und niemand stört uns. Denn im Gegensatz zu den geselligen »Erste-Reihe-Stehern« lieben wir die versteckten, einsamen Plätze, an denen wir gar nicht besonders viel erleben, sondern einfach WIR sein können. Anfangs versuchte ich auch noch jede Attraktion mitzunehmen, die im Reiseführer angepriesen wurde und schnellstmöglich von einem zum nächsten Highlight zu hechten. Heute ist mir das nicht mehr wichtig. Statt im fünften Gang über die Autobahn zu rasen, lieber gemütlich im Vierten entlang der Landstraße tuckern. Kurze Fahrstrecken und naturnahe, abgelegene Stellplätze, wo ich, zusammen mit meinen Liebsten, unsere bevorzugten Aktivitäten genießen kann, haben mich entschleunigt.
Freiheitsgefühl
Als ich im Jahr 2016 meine mit Klamotten und Campingutensilien prall gefüllten Kisten und Taschen in meinen selbst ausgebauten VW T4-Bus wuchtete, hatte ich weder Instagram noch hatte ich je von dem Lebenskonzept »Vanlife« gehört. Ich suchte einfach das Abenteuer und dabei genügte mir ein einfaches Holzbett, ein Campingkocher und ein bisschen Deko für die Gemütlichkeit. Zwei Wochen fuhr ich mit meinem rot-schwarzen Transporter durch Slowenien und Kroatien. Meine erste »ganz große Reise«.
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