Jersey ist nicht nur ein beliebter Stoff für bequeme Kleidungsstücke, Jersey liefert auch Stoff für tolle Urlaubsgeschichten – als Insel.

»Hello my Dears!« – Britisch herzlicher Empfang unter Palmen. Janie ist die Chefin von »The Palms« Campsite im Nordwesten der Insel, und da es schon September ist, lädt sie uns herzlich dazu ein, uns am reifen Obst der Apfel- und Birnbäume auf dem Platz zu bedienen. »Help yourself as much as you like!« Das werden wir in den nächsten Tagen tun – vor allem der bitter-sweete Jersey-Apfel hat es uns angetan. Den gibt’s nur hier. So wie Frankie, der Mann von Janie, der uns die freien Stellplätze zeigt – mit kummervollem Blick auf die grobstolligen Reifen unseres 4×4 Campers. Seine Sorgen um den gepflegten Rasen sind angebracht, denn Rangieren mit dem Vier-Tonner von Hymer hinterlässt Spuren. Aber Frankie bleibt relaxed. »I’m a Jerseyboy« erzählt er stolz, »born in Corbiére.« Das ist die südwestlichste Ecke der Insel mit dem berühmten weißen Leuchtturm, den wir noch sehen werden. Und je mehr Frankie ins Reden kommt, umso weniger können wir seinen Worten folgen. Jersey-French heißt der aussterbende normannische Dialekt, den niemand versteht, wir nicht, kein Engländer und auch kein Franzose.
Von Saint-Malo nach Jersey
Die Reise nach Jersey startet dort, wo spannende Urlaube oft beginnen: im Bauch einer Fähre. Im bretonischen Saint-Malo müssen wir mit dem Campervan wegen seiner Höhe von drei Metern – unten Allrad mit erhöhter Bodenfreiheit, oben Aufstelldach – als letzte rückwärts einfahren. Rückfahrkamera und hilfsbereite Fährbesatzung assistieren. Andere fotografieren den expeditionsreif ausgestatteten sieben Meter langen Hymer Cross Canyon – für den Besuch einer zivilisierten Insel etwas overdressed. Bis 2023 übrigens benötigten Campingtouristen für die Einreise nach Jersey mit Wohnmobil oder Caravan ein »Permit« von der Inselverwaltung. Ohne Nachweis eines gebuchten Stellplatzes und für Fahrzeuge über 6,50 Metern Länge hieß es sogar »No-Go«. Heute kein Thema, aber trotzdem ist es ratsam, in der Hochsaison rechtzeitig auf einem der begehrten Inselcampingplätze zu reservieren. Es gibt nur drei. Und wild campen auf Jersey? Forget it!
Inzwischen ist unser großer Camper zwischen den Gepäckkarren gut festgezurrt worden, in Vorbereitung einer bewegten Überfahrt, die wegen des Sturms bereits um einen Tag verschoben wurde. Die Schnellfähre legt ab, die mächtigen Mauern von Saint-Malo gleiten vorbei, Möwen kreischen hier noch »Au Revoir«, und wir stehen an Deck mit dem Gefühl, dass nach zwei Stunden Überfahrt etwas Schönes anfängt – auch wenn wir noch nicht wirklich wissen, was uns auf Jersey eigentlich erwartet.
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