Wer mit dem Camper ins Mendrisiotto fährt, reist durch die Zeitgeschichte des südlichen Tessins. Von Campingplätzen am Fossilienberg und am Luganersee geht es hinauf zum aussichtsreichen Monte Generoso und in die Tessiner Weinberge.

Deutschland ist irgendwo in der Warteschlange des Frühlings steckengeblieben. Die Wartemusik wird schon zum Ohrwurm und zehrt an den Nerven. Wie gut fühlt es sich an, wenn man einfach in den Van steigen und losfahren kann Richtung Wärme und blauem Himmel! Doch bevor es so weit ist, sinken auf dem San-Bernardino-Pass die ohnehin niedrigen April-Temperaturen noch weiter ab. Schnee auf den Gipfeln, tiefe Wolken im Grau, das uns umgibt. Jetzt wirkt der Gedanke an Camping noch verfrühter als zu Hause – bis wir uns auf der anderen Seite des Passes die Serpentinen hinunterschlängeln und uns das Tessin ganz klar zeigt, dass hier sowohl die Uhren als auch die Jahreszeiten anders ticken – obwohl es die Schweiz ist.
Camping am Monte San Giorgio
Etwas außerhalb des Ortes Meride erreichen wir den Ca.Stella Camping del Monte San Giorgio. Der Platz liegt im satten Mittagslicht, die Wiesen sind übersät mit Gänseblümchen. Sie ziehen sich an einem kleinen See vorbei bis zum Bistrot, ringsum die beigefarbenen Tipi-Zelte. Der Campingplatz ist Teil des sozialen Projekts »Ca.Stella Naturalmente«. Etwa einen Kilometer entfernt liegt auf dem ehemaligen, schön restaurierten Gelände der einstigen Saurolo- Fabrik eine Farm, auf der unter anderem tiergestützte Therapie und Gartenarbeit angeboten werden. Ganz in der Nähe beginnen die Wanderwege auf den Monte San Giorgio.
So unscheinbar der San Giorgio auch wirkt, in seinem Inneren lagern Fossilien aus einer Zeit vor rund 240 Millionen Jahren, als hier eine tropische Meereslagune lag. Seit 2003 gehört der Schweizer Teil des Monte San Giorgio zum UNESCO-Welterbe, 2010 kam die italienische Seite dazu. Meride, ein Dorf mit rund 340 Einwohnern, liegt an den Hängen des Berges; seit 2012 befindet sich hier das Museo dei fossili del Monte San Giorgio. Lange bevor der Berg zum Welterbe wurde, war er ein Forschungsfeld: Seit etwa 1850 werden hier Fossilien geborgen und wissenschaftlich beschrieben; später kamen systematische Grabungen und Sammlungen an Universitäten hinzu.
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