Vanlife Knigge

 

 

Vanlife boomt! Wirklich. Das Statistische Bundesamt registrierte für Mai 2020 10.460 Wohnmobil-Neuzulassungen. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent im Vergleich zum Mai des Vorjahres. Das Phänomen Vanlife hat weitverzweigte Wurzeln: Romantisierte Posts auf Sozialen Medien sind dafür ebenso verantwortlich wie öffentlich geführte Wohnraum- und Minimalismus-Debatten. Seit Urlaub in der Corona-Pandemie durch Reisebeschränkungen und Beherbergungsverbote schwieriger wird, findet Campingurlaub in Europa besonderen Anklang.

Der Traum von grenzenloser Freiheit kann aber schnell zum Ärgernis für Mitcamper, Anwohner oder Umweltschützer werden. Es gibt wichtige Regeln, an denen sich Reisemobilbesitzer jeglicher Couleur orientieren sollten egal, ob Camper Van, Wohnmobil oder Caravan. Von der Straße auf den Stellplatz in die Koje – damit der Urlaubsfrieden erhalten bleibt und die schönsten Plätze schön bleiben, präsentiert SUNLIGHT pünktlich zum Sommer 2021 einen kleinen Vanlife Knigge:

Hier lesen!

 

10 TIPPS FÜR EINE HARMONISCHE CAMPING SAISON 2021

1. GRÜSS FLOTT

Busfahrer tun es. Paket-Lieferanten tun es. Aber keiner macht es so gerne wie Biker am Wochenende: Auf deutschen Straßen wird gegrüßt. Das gilt für Fahrer seltener Fahrzeuge, branchenverwandte Berufsfahrer und gleichgesinnte Camper, die Leidenschaft für das Leben on the Road verbindet. Dabei gilt: Wer andere Reisemobilisten grüßen möchte, sollte sich klar ausdrücken und nicht wild gestikulieren. Ein lässiges Nicken, kurzes Lächeln oder kleines Handzeichen sind die geläufigsten Formen. Auf technische Hilfsmittel wie Hupe, Blinker, Fern- und Warnlicht sollte verzichtet werden, um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu verwirren. Sicherheit geht vor Höflichkeit!

 

 

2. LEGAL, ILLEGAL, NICHT EGAL.

Der erleuchtete VW-Bus nachts auf einer Steilklippe unter Mondschein – eine romantische Vorstellung. Aber: keine gute Idee. In Europa ist Wildcampen bzw. Freistehen weitestgehend verboten. Abseits von Campingplätzen und ausgewiesenen Stellplätzen kann die Übernachtung teure Folgen haben. In Deutschland gibt es das Recht auf einmaliges Übernachten zur Herstellung der Fahrtüchtigkeit. Übernachten bedeutet jedoch, dass alle Camping-Verhaltensweisen vermieden werden müssen. Auffahrkeile, Campingmöbel, Markise und Wäscheleine haben in diesem Fall draußen nichts verloren. Um Licht in die Gesetzeslage zu bekommen, sollte man sich vor jeder Reise über die geltenden Regeln vor Ort erkunden.

Stellplatzführer von ADAC, Promobil und Co sind nützliche Tools auf der Suche nach dem passenden Urlaubsidyll, aber auch Apps wie park4night sind hilfreich und werden durch aktive Nutzer laufend aktualisiert. Aber Vorsicht: Manche Apps listen Spots, an denen Campen nicht offiziell erlaubt ist. Also: Augen auf und Hirn ein bei der Stellplatz-Wahl.

3. FREIHEIT BRAUCHT RAUM
Wenn die Sonne lacht, sind Camping- und Parkplätze im Grünen von Reisemobilen sehr gefragt. Bei hohem Andrang gilt es, besonders rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umzugehen. Bei der falschen Parkrichtung, Querparkern und zu wenig Abstand gibt es Punktabzug. Denn dicht an dicht oder Tür an Tür mit den Nachbarn kann es ungemütlich werden. Auch aus Sicherheitsaspekten sollte jedem Camper sein Raum gelassen werden. In Deutschland schreibt die Brandschutzverordnung für offizielle Stellplätze einen Abstand von drei Metern zum Nachbarn vor. Wer Plätze für Freunde und Familie reserviert oder gar zwei Stellplätze für sich beansprucht, muss mit dem Unmut anderer Camper rechnen. Allgemein gilt: Rücksicht nehmen und miteinander kommunizieren.

 

 

4. BITTE NICHT STÖREN
Wie im Alltag gibt es auch im Camping-Life Regeln in Bezug auf Lautstärke und das Miteinander bzw. Nebeneinander. Morgendliches Türenschmettern, Rufe über den ganzen Platz und laute Musik am Abend gilt es zu vermeiden. Auf vielen Campingplätzen gibt es festgeschriebene Mittags- und Nachtruhezeiten, an die sich alle zu halten haben. Wer draußen, abseits der Zivilisation und ohne Nachbarn übernachtet, kann sich natürlich etwas freier verhalten, sollte sich dennoch angemessen und respektvoll benehmen.

5. FIGHT DEM FEUER
Abends den Grill anschmeißen oder ein kleines Feuerchen anzünden? Die Antwort lautet: Nein! Offene Feuerstellen sind nicht erlaubt. Hierzulande variiert die Gesetzeslage von Bundesland zu Bundesland. Es gibt jedoch die übergreifende Regel, dass mindestens 100 Meter Abstand zum Waldrand gewährleistet werden müssen. Mit steigenden Temperaturen und sinkenden Niederschlägen wächst das Risiko eines Waldbrandes. Verbrannte Erde kann weniger vorsichtige Nachahmer inspirieren und sollte sicherheitshalber vermieden werden. Auch auf Campingplätzen gelten dazu unterschiedliche Regeln. Eine Frage an der Rezeption verschafft Klarheit.

6. BELLO ON BOARD
Ein Herz für vier Pfoten: Viele Mitglieder der Adventure Crew reisen mit tierischer Begleitung. Um Mitcamper nicht zu stören, gelten auf den meisten Campingplätzen entsprechende Regeln und Leinenpflicht. Wer an ruhigeren Orten mit wenigen Nachbarn steht, sucht am besten das Gespräch bei einer Runde über den Platz. Während der Essenszeit sollte besonders auf den Hund geachtet werden. Nicht, dass nebenan die Würstchen vermisst werden. Ob Campingplatz oder Waldlichtung – Hinterlassenschaften werden natürlich eingesammelt und ordentlich entsorgt. Denn: Häufchen gehen gar nicht.

 

 

7. TATORT TOILETTE
Das führt zu einem sensiblen Thema: Viele der DIY Camper Vans haben keine Toilette an Board. Aber was muss, das muss und so hält die Natur fürs Geschäft her – zum Unmut von Landwirten, anwohnenden Spaziergängern, Ausflüglern und und und. Mittlerweile gibt es platzsparende, mobile und nachhaltige Toiletten-Lösungen und Reisemobilbesitzer sollten sich aufrichtig fragen, ob nicht doch Platz an Board ist?

8. SEI NICHT TRASHIG
Die Regel Nummer eins lautet: Hinterlasse jeden Platz so, wie du ihn vorgefunden hast. Das bedeutet, Müll gehört eingesammelt, mitgenommen und ordnungsgemäß entsorgt. Obstreste sind zwar biologisch, haben aber nichts im Wald verloren. Wenn jeder Camper dort Kartoffelschalen und Kaffeesatz entsorgt, ist vom Paradies bald wenig übrig. Clean Up-Aktionen sind überall gern gesehen und sinnvoll. Das Einsammeln von herumliegendem Müll hat nicht nur einen direkten Einfluss auf Flora und Fauna, sondern sendet ebenfalls ein positives Signal an die Mitcamper. So bleiben Stellplätze langfristig erhalten.

9. WASSER MARSCH
Auch das Abwasser wird an dafür vorgesehenen Plätzen entsorgt und nicht irgendwo hin gekippt. Spezielle Entsorgungsstationen findet man auf den meisten Campingplätzen, an vielen Tankstellen oder Raststellen. Dort bitte im Namen aller Nachfolger nicht die zwei Schläuche verwechseln. Denn ein Schlauch ist ausschließlich zum Ausspülen des Toiletteninhalts und der andere exklusiv zum Zapfen von Frischwasser gedacht. Eine Verwechslung könnte unappetitliche Folgen haben. Nach dem Motto „Safety first“, schadet es beim Wasserauffüllen nicht, den Schlauch vor dem Einsatz zu reinigen.

 

 

10. SUPPORT LOCAL 
Manche Camper reisen mit einer Selbstversorger-Mentalität durch Europa. Wer sich einmal die Woche im Discounter eindeckt, immer selbst kocht und den Campingplatz nur zum Wasserentsorgen ansteuert, lässt kaum einen Cent in der Region. Nachhaltiges Reisen sieht anders aus und macht viel mehr Spaß: Ab und an Essen gehen, lokale Geschäfte besuchen und sich auf einem Feld beim Bauern einmieten – Der achtsame Umgang mit lokalen Unternehmen, Traditionen und Anwohnern kann helfen, die Grundstimmung gegenüber Campern positiv zu halten. Gratis dazu gibt es einen echten Einblick in Land und Leute.

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