Zwischen Weltkulturerbe und Baumwipfeln, Stabkirche und Brocken, Teichen und Talsperren zeigt sich der Harz überraschend vielseitig. Camping & Reise- Autor Michael Moll ist mit dem Wohnmobil unterwegs durch Norddeutschlands höchstes Mittelgebirge und stellt fest: Wanderschuhe sind hier kein Extra, sondern Pflicht.

Kaum haben wir die Autobahn 7 an der Ausfahrt 67 verlassen und folgen der Bundesstraße 242 ostwärts, beginnt sich etwas zu verändern. Der Verkehr wird ruhiger und die Wälder rücken näher an die Straße. Meine Frau Monika und ich spüren sofort, dass mit jedem Kilometer der Alltag ein Stück weiter zurückzubleiben scheint. Sanfte Hügel tauchen auf und unser Wohnmobil rollt hinein in die ersten Ausläufer des Harzes. Uns wird noch während der Anreise klar, dass unsere Entscheidung, die Wanderschuhe griffbereit im Laderaum liegen zu haben, eine gute war. Ab hier dreht sich alles um Bewegung, Natur und das bewusste Unterwegssein bei einem Campingurlaub, der aktiv und abwechslungsreich wird.
Größte Holzkirche Deutschlands
Nach kurzer Fahrt erreichen wir Clausthal-Zellerfeld, den zentralen Ort im westlichen Oberharz. Seine Geschichte reicht bis zu einer Kapellengründung im 8. Jahrhundert zurück, doch über Jahrhunderte war es vor allem der Bergbau, der das Leben hier bestimmte. Silber und Erz brachten Wohlstand, formten das Stadtbild und hinterließen Spuren, die bis heute sichtbar sind. Erst 1924 schlossen sich die zuvor eigenständigen Orte Clausthal und Zellerfeld zur heutigen Stadt zusammen. Diese doppelte Herkunft ist noch immer spürbar, etwa in den beiden markanten Kirchen der Ortsteile. In Zellerfeld prägt die evangelische St.-Salvatoris-Kirche das Zentrum, während in Clausthal die Marktkirche zum Heiligen Geist steht. Sie ist die größte Holzkirche Deutschlands. Das barocke Gotteshaus aus der Mitte des 17. Jahrhunderts bietet Platz für mehr als 1.000 Besucher und beeindruckt nicht nur durch seine Größe, sondern auch durch die warme Atmosphäre des Holzes.
Eine der größten Attraktionen von Clausthal-Zellerfeld liegt allerdings außerhalb der eigentlichen Ortskerne. Rund 70 Teiche verteilen sich über das Stadtgebiet und gehören heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eingebettet zwischen dichten Wäldern und offenen Hochflächen wirken sie wie natürliche Seen, doch ihr Ursprung ist rein funktional. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstanden sie als Teil eines hochentwickelten Wasserwirtschaftssystems für den Erzbergbau. Über Gräben und Stollen leitete man das Wasser zu den Wasserrädern der Gruben und sicherte so die Energieversorgung unter Tage. Heute haben die Teiche neue Aufgaben übernommen. Sie dienen dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung und sind zugleich beliebte Orte der Erholung. Auf gut ausgeschilderten Themenwanderwegen erreichen wir viele dieser stillen Gewässer zu Fuß. Immer wieder bleiben wir stehen, lauschen dem Wind in den Bäumen und genießen die Ruhe, die den Harz hier so besonders macht.
…



