Über den Bergen und rund um den See. So lautet das Versprechen der Léman Gravel Challenge, knapp und klar. Was es bedeutet, merkt man erst im Sattel. Die Rampen des Chablais-Geoparks setzen die Oberschenkel in Brand, die Schweiz und Frankreich verschwinden im Wechsel unter den Reifen. Am Ende leuchtet der See wie eine Belohnung auf.

Um 3:30 Uhr in der Haute-Savoie liegt das Schaltwerk in der Hand. Es hängt nicht am Rad – abgerissen, game over! 21 Kilometer sind es bis zum nächsten Bahnhof, die ich zu Fuß, schiebend, joggend oder rollend bewältige, während die anderen noch irgendwo da draußen in der Nacht weiterfahren. Dabei hatte die Fahrt so toll begonnen.
Früh, kalt, entschlossen
Préverenges, Samstagmorgen, sechs Uhr. Der Genfer See liegt im Dunst, die Luft riecht nach feuchtem Gras und kühlem Maiwetter – dreizehn Grad, klar, fast windstill. 169 Fahrerinnen und Fahrer drängen sich auf dem Uferweg. Die Léman Gravel Challenge ist ein selbst unterstütztes Event mit festgelegter Strecke, Zeitlimit und einem Versprechen: 340 Kilometer, 6.500 Höhenmeter, Westschweiz und Haute-Savoie, einmal rund um den Lac Léman und hinein in die Berge dahinter. Wer durchkommt, gilt als Finisher. Wer nicht, kommt trotzdem mit einer Geschichte zurück.
Gestartet wird in Blöcken. Zuerst die schnellen Solo-Fahrer, die Duos, dann der Rest. Claire und Charlotte gehen gemeinsam auf die Route – zwei Französinnen, ein Team, dasselbe Ziel: eine schöne Zeit zu haben und etwas zu erleben. Für den Artikel darf ich die beiden begleiten.
Die Route führt zunächst Richtung Nordwesten. Hinaus aus der Senke des Mittellandes, hinein in die Ausläufer des Jura. Kleine Landstraßen, aufgebrochener Asphalt, Felder rechts und links, die Sonne tief im Rücken. Dann kippt der Untergrund. Was eben noch Teerband war, wird zum Trampelpfad zwischen Weidezäunen, wird zur Reifenspur im nassen Gras, wird zum Waldweg mit Wurzeln quer über die Linie. Einige Fahrer steigen ab. Der Weg verlangt es. Er ist steil, schmal und rutschig. Das Gravelbike wird zur Schiebekarre, kurz nur, dann geht es weiter.
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