Die Trolltunga zieht jährlich Tausende für das perfekte Foto an. Doch während die meisten Besucher den Tagesaufstieg ab Skjeggedal wählen, hat Michael Hennemann sich zwei Wochen Zeit genommen und sich der ikonischen Felskante von Rjukan aus einmal quer über die Hardangervidda genähert.

Das Vestfjorddalen ist definitiv kein Ort für Leute, die gerne den Horizont sehen. Die links und rechts steil aufragenden Felswände stauchen den Himmel des Tals auf einen schmalen Streifen zusammen. Nach einer gut dreistündigen Bus-Odyssee, zunächst mit dem Expressbus von Oslo nach Notodden, dann weiter mit dem Lokalbus 185, entlassen mich die hydraulischen Türen mit einem Zischen auf dem Marktplatz von Rjukan.
Ich angle den Rucksack aus dem Gepäckfach, strecke die Beine durch und nicke Sam Eyde zu, der auf seinem Sockel am gegenüberliegenden Ende des langestreckten Platzes die Stadt fest im Blick hat. Jene Stadt, die ohne ihn schlicht nicht existieren würde. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erkannte der norwegische Ingenieur und Industrielle das Potenzial des Rjukanfossen, um die Wasserkraft für industrielle Zwecke zu nutzen, allem voran für die Produktion von Kunstdünger. Auf Basis dieser Idee gründete er Norsk Hydro und in dem abgelegenen Tal wurde in kürzester Zeit eine moderne Industriestadt aus dem Boden gestampft. Mit Wasserklosetts und Elektrizität boten die Arbeiterwohnungen einen Luxus, den man zu jener Zeit in den meisten europäischen Großstädten vergeblich suchte.
Kleine Stadt mit großer Geschichte
Rjukan steht als Symbol für den Übergang Norwegens zur modernen Industriegesellschaft und seit 2015 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Da das, was das Städtchen im Herzen der Telemark so besonders macht, ein Stück außerhalb des beschaulichen Stadtzentrums liegt, führt mich der erste Weg in die Touristeninformation. Dort breitet die freundliche Mitarbeiterin einen Stadtplan aus, markiert die Haltestellen und notiert die Abfahrtszeiten der Busse in die nähere Umgebung.
Bestens für die Entdeckungen am nächsten Tag gewappnet, steuere ich das nahegelegene Birkelunden Bed & Breakfast am Ufer des Fluss Måna an. Das Hostel ist eine gute Wahl, wenn man praktisch und günstig übernachten möchte. Das Zimmer ist schlicht, aber das reichhaltige Frühstücksbuffet am nächsten Morgen entschädigt für das Gemeinschaftsbad auf dem Gang.
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