Der Sonnenaufgang an den Bruchhauser Steinen, der Duft von Ginster, das Plätschern einer Quelle, der Blick von der Hängebrücke über die Baumkronen – es gibt viele Gründe, warum der Rothaarsteig auch als »Weg der Sinne« bezeichnet wird. Vielerorts sind jedoch noch immer die Folgen des Orkans Kyrill sichtbar.

In Böen erreichte der Sturm Geschwindigkeiten von bis zu 225 Kilometern pro Stunde. Am schlimmsten, so berichteten Augenzeugen, war das Geräusch, als riesige Bäume wie Streichhölzer zerbrachen. In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 2007 fegte der Orkan Kyrill über die bewaldeten Höhen des Rothaargebirges und hinterließ eine Schneise der Verwüstung. In ganz Nordrhein-Westfalen wurden etwa 25 Millionen Bäume entwurzelt oder abgeknickt. An vielen Stellen sah die Landschaft aus, als hätte ein Riese Mikado gespielt. Schwer getroffen wurde auch der Rothaarsteig, der 154 Kilometer lange Fernwanderweg, der über den Hauptkamm des Rothaargebirges von Brilon nach Dillenburg führt.
Kollektive Traumaverarbeitung
Die Fachwerkstadt Brilon, der Ausgangspunkt unserer Tour, liegt genau eine Stunde hinter uns. Vor uns erstreckt sich der Briloner Bürgerwald, in dem wir erstmals mit den Folgen von Kyrill konfrontiert werden. Der Wald ist Teil des Briloner Stadtwalds, wo Kyrill mehr als 1.000 Hektar Waldfläche verwüstete. Als Reaktion darauf haben die Bürger von Brilon den Bürgerwald angelegt, ein zehn Hektar großes Waldgebiet, das sich durch eine enorme Artenvielfalt auszeichnet. Hier wachsen Zitterpappeln und Bergahorne neben Buchen, Faulbäumen und Roteichen. Dazwischen stehen sturmfeste Nadelgehölze wie Douglasien, Lärchen und Eiben. Insgesamt gedeihen hier 50 verschiedene Baumarten. Bis heute wurden mehr als 70.000 Bäume gepflanzt. 5.000 Menschen halfen mit – Waldgestaltung als kollektive Traumaverarbeitung.
Hoch über dem jungen Wald ragt das Kyrill-Tor empor. Ein gigantisches Mahnmal aus 14 massiven Douglasienstämmen. Jeder Baum ist 20 Meter lang und wiegt 1,5 Tonnen. Die Bäume stammen aus dem Sturmholz des Briloner Stadtwalds. Sie symbolisieren die Zerstörungskraft des Orkans, aber auch den entschlossenen Neuanfang.
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