Nah am Wasser

Wandern durch den tschechischen Böhmerwald

Warum immer nur hoch auf die Gipfel? Im tschechischen Mittelgebirge spielt Wasser eine wichtige Rolle. Deswegen lohnen sich im Grenzgebiet zu Bayern auch zahlreiche abwechslungsreiche Wanderungen, bei denen es fließt, rauscht und matscht.

TEXT: Aliki Rettig BILDER: Sascha Rettig

Der Boden ist pitschnass. Zwischen dem Gras und den Büschen ist das Wasser nicht zu übersehen. Pfützen und Rinnsale haben sich gebildet, manchmal ist auch eine ganze Grünfläche mit Wasser bedeckt. Zwischendrin wirkt der Boden zwar trockener. Doch wenn wir dann mit unseren Schuhen dorthin treten, quillt doch wieder Wasser hervor und lässt uns schnell weiterspringen.

Dass diese Gegend so wasserreich ist, verwundert uns nicht, immerhin wandern wir durch ein Moor. Wie spannend diese Tour allerdings wirklich werden würde, das ahnen wir vorher nicht. Ehrlich gesagt sind wir anfangs eher skeptisch, als uns der Guide Josef Stemberk diese Runde durch den Böhmerwald im Süden Tschechiens vorschlägt. Schließlich regnet es.

»Wir laufen einfach mal los und schauen, wie weit wir kommen«, überredet uns der 45-Jährige – und auf geht’s, hinein ins Säumermoor. Zuerst wandern wir noch über einen befestigten Steg aus Holzbohlen, immer wieder jedoch ist der Weg unterbrochen und wir müssen uns auf den Moorboden wagen. Anfangs zögern wir noch, mit den Schuhen in den glitschigen, bräunlichen Schlamm zu treten. Dann aber merken wir, wie viel Spaß das macht.

Ins Herz des Moors 

Jeder von uns sucht sich seinen eigenen Weg. Mit den Augen scannen wir den Boden ab, erspähen kleine Grasbüschel oder andere Erhebungen für den nächsten Schritt und springen dorthin. Manchmal ist es tatsächlich relativ trocken, häufig aber drücken wir mit unserem Gewicht das Wasser aus dem Boden erst richtig heraus. Dann entstehen unter unseren Schuhen Minipfützen und wir hüpfen schnell weiter. 

So arbeiten wir uns langsam vor ins Herz des Moors, wo wir von einem Aussichtsturm einen guten Überblick über die Landschaft bekommen. Was wir nicht glauben können: Noch bis Ende der 1990er Jahre wurde hier Torf abgebaut. Erst seit dem Jahr 2000 wird das Areal renaturiert. Auf Fotos ist zu erkennen, wie kahl und schwarz diese Gegend durch den Abbau einst war. Davon ist nun fast nichts mehr zu sehen, stattdessen wachsen überall Bäume und Gräser, Büsche voller Beeren und zwischendrin ein paar fleischfressende Pflanzen.

»Nirgendwo anders kann man im Böhmerwald durch ein so großes Moor laufen«, sagt Josef Stemberk. Schließlich sind die meisten Moore für Besucher nicht zugänglich – viele liegen im Gebiet des Nationalparks Böhmerwald und sind geschützt. Allerdings sind nicht nur die Moore eines der Highlights des Böhmerwalds. Denn auch wenn es ein Mittelgebirge ist und Gipfel bis über 1.400 Meter Höhe hat, so muss man in dieser tschechisch-deutsch-österreichischen Grenzregion nicht immer nur hoch hinauf wandern. 


Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 4/2021 des WANDERN & REISEN Magazin.

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