Treppauf, Treppab

 Weinbergwandern in den Steillagen des Neckartals

Malerische Neckarschleifen, schroffe Felsen und steile Talhänge, an denen terrassierte Weinberge bewirtschaftet werden, bilden ein grandioses Landschaftspanorama im Mittleren Neckartal. Neue Erlebniswege führen Wanderer mitten ins Geschehen des Weinbaus. Die eher kurz gehaltenen Steillagenrundwege lassen ausreichend Zeit für kulinarische Genüsse in den Weinstuben am Wegesrand.

Text/Bilder: KATJA GOLL

Im Herbst, zur Zeit der Traubenernte, herrscht in den Weinbergsteillagen des Neckartals reges Treiben. Während die Arbeit der »Wengerter«, wie die Weingärtner im Schwäbischen genannt werden, über das Jahr eine eher einsame Angelegenheit ist, stellt die Weinlese in den Steillagen ein geselliges und kulturelles Ereignis dar. Es wird gemeinsam geerntet, im Weinberg »gevespert« und es werden traditionelle Weinfeste wie das Besigheimer Winzerfest gefeiert. In den Terrassenweinbergen am Neckar bedeutet die Weinlese Handarbeit, für Erntemaschinen sind die Hänge mit ihrer 45°-Neigung viel zu steil. So werden die Trauben Rebe um Rebe von Hand abgeerntet. Wie sich der Gang über die schmalen Steintreppen der Steillagen anfühlt, kann man nun auf neuen Rundwegen zwischen Ludwigsburg und Lauffen am Neckar hautnah erleben.

Käsberg und Felsengärten 

An einem frischen Morgen Ende September steigen wir in Mundelsheim aus dem Bus.  Die Häuser des Neckarorts liegen teils noch im Schatten der Weinberge, die wie grüne Wände steil und schroff in den schon blauen Herbsthimmel ragen. Sichtbar neue Wanderschilder weisen uns auf die Käsbergrunde hin, deren erste Meter noch ganz im Zeichen des historischen Ortskerns stehen. Wir passieren Fachwerkhäuser, ein kleines Backhaus, dessen moderner Kamin verrät, dass es auch heute noch in Betrieb ist, und verlassen den Ort schließlich durch das mittelalterliche Torhaus in Richtung Grün der Weinberge. 

Bald gehen wir zwischen knorrigen Rebstöcken bergan, vorbei an prallen, dunkelblaurot schimmernden Trollingertrauben, die kurz vor der Ernte stehen. Schnell gewinnen wir an Höhe und an Sicht. Vor uns schweift der Blick über ein grandioses Neckarpanorama. Tief unten zieht der Neckar seine Schleife, flankiert von üppig grün erscheinenden Terrassenweinbergen, über denen Muschelkalkfelsen thronen. 

Die Felsen sind Revier von Greifvögeln. Rotmilane, Bussarde und Turmfalken kreisen und rütteln im Himmelsblau. Sogar Uhus, als größte Eulenart der Welt, brüten vereinzelt an den Felsen im Neckartal. Am Boden erfreuen immer wieder bunte Blumen die Augen. Mal leuchten Ringelblumen, mal Löwenmäulchen neben den Reben. Das spezielle Steillagenklima lässt sogar Kakteen gedeihen und immer wieder huschen Mauereidechsen in die Ritzen der Natursteinmauern, wenn wir uns nähern. 


Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 4/2021 des WANDERN & REISEN Magazin.

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