Im Kajak auf den Spuren von Fritze Bollmann

Der Barbier aus Brandenburg

Johann Friedrich Andreas Bollmann, genannt »Fritze« Bollmann, war in seiner Brandenburger Heimat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts unfreiwillig zum Original geworden. Tina Oetzel hat sich im Kajak auf die Spuren des legendären Barbiers begeben.

TEXT/BILDER: TINA OETZEL

Fritze wer!?«, klingt es vom anderen Ende der Leitung herüber. Mein Paddelbuddy Henryk, ein Rentner mit viel Freizeit und zu jeder Paddelschandtat bereit, fragt neugierig nach. Kurz und knapp erkläre ich ihm: »Fritze Bollmann, Brandenburgs berühmtester Barbier. Wir werden ein verlängertes Wochenende auf seinen Spuren wandeln! Lass dich überraschen! « Dieser Satz und ein Datum – mehr braucht es nicht, um uns am Schauplatz der Geschichte zu treffen.

Brandenburg an der Havel ist nicht nur bekannt für seine historischen Bauten und die idyllische Landschaft entlang der Havel, sondern auch für eine besondere Figur der Stadtgeschichte: Johann Friedrich Andreas Bollmann, besser bekannt als Fritze Bollmann, lebte von 1852 bis 1901 und war ein Barbier, dessen Schicksal ihn zu einer legendären Gestalt in Brandenburg machte.

Fritze wurde als Sohn eines Schneidermeisters geboren und entschied sich, das Friseurhandwerk zu erlernen. Doch seine Karriere als Barbier war alles andere als erfolgreich. Seine ungeschickten und oft komischen Handgriffe brachten ihm mehr Spott als Kunden ein. Trotz seiner Bemühungen, einen festen Kundenstamm aufzubauen, blieb ihm der wirtschaftliche Erfolg verwehrt. Sein ungewollter Kultstatus begann, als er eines Tages zum Angeln an die Havel ging. Dort fiel er beim Angeln ins Wasser, was ihm noch mehr Spott der Kinder einbrachte und ihn zu einer zugleich tragischen wie humorvollen Figur in der Stadtgeschichte machte.

Zu jeder Paddelschandtat bereit!

Voller Tatendrang schieben wir unsere Kajaks an der Stadtmarina von Brandenburg an der Havel ins Wasser und steuern erwartungsvoll über den Kleinen Beetzsee dem Domstreng entgegen. Genau hier soll sich eine der Geschichten zugetragen haben, bei der Fritze Bollmann sein unfreiwilliges Bad nahm. Kein Hinweis, kein Schild erinnert an den geschichtsträchtigen Barbier. Letztendlich brachte ihm die Kenterung am Domstreng noch mehr Spott ein und die Kinder dichteten das humoristische Lied »Fritze Bollmann wollte angeln«, das seinen missglückten Angelausflug besingt und ihn unsterblich machte. Dies war sein unfreiwilliger Durchbruch, durch den er besonders bekannt wurde. Nach seinem Tod wurde Fritze Bollmann zur Legende. Die Menschen erinnerten sich an ihn und erzählten Geschichten über seine Missgeschicke und sein tragisches Ende.

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