Gewaltige Felsformationen prägen zu großen Teilen das Landschaftsbild in Schweden. An den Küsten des Lands scheinen sich die Felsmassive aufzulösen. Schärengärten bilden den Übergang vom Land zum Meer. Diese sind aber nicht nur in den Küstenregionen zu finden. Selbst im Landesinneren lassen sich die charakteristischen Felsformationen entdecken. Zu den schönsten dieser Binnensee-Schärengruppen gehört der Lurö-Schärengarten im Vänernsee.

Hier in Ekenäs relativiert sich die gewaltige Größe des Vänern. Mit nur zehn Zentimetern Tiefgang eröffnet sich gerade für Kajaks zwischen den Inseln ein gewaltiger Aktionsradius. Inseln, Buchten und Uferbereiche zu erkunden, funktioniert, da bin ich mir wirklich sicher, in keinem anderen Boot so einfach wie in einem Kajak. Unser Auto bleibt auf dem Parkplatz am Hafen in Ekenäs stehen. Mit Südkurs paddeln wir durch eine Schilfgasse dem Vänern entgegen. Die ersten Paddelschläge im Lurö- Schärengarten fühlen sich an wie eine Grenzüberschreitung – nicht geografisch, sondern mental. Kaum gleiten unsere Boote vom flachen Felsufer ins klare Wasser des Vänern, Europas drittgrößtem See, verliert der Alltag seinen Halt. Vor uns breitet sich ein Labyrinth aus Inseln aus, von Gletschern und Wasser rund geschliffen und von der tief stehenden Sonne fein modelliert. Es ist eine Landschaft, die nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern Zeit und Geduld verlangt. Wer sie sich nimmt, wird reich belohnt.
Das Wetter könnte nicht besser sein. Wir passieren Vingsön links und Kalvön rechts. In der Ferne verliert sich der Vänern in scheinbar unendlicher Weite zu einer waagerechten Linie, an der Himmel, Wolken und Wasser zusammenfließen. Das Wasser ist nur leicht gekräuselt. »Paddeln vom Feinsten«, rufe ich meiner Frau begeistert zu. »Wie im Paradies«, schallt es zurück. Während einer Pause liegen wir auf einem flachen, warmen Felsen auf dem Rücken und schauen einem Fischadler nach, der sich, von der Thermik unterstützt, in die Höhe schraubt. Fischadler, die manchmal mit ihrem etwas schrillen Ruf auf sich aufmerksam machen, sieht man hier relativ häufig. Kommt man ihrem Horst zu nah, fliegen sie auf und drehen großzügige Kreise, um Eindringlinge wie uns im Auge zu behalten und sicher zu gehen, dass keine Gefahr droht.
Wir wollen der südlichen Hauptinsel Lurö noch etwas näherkommen und steigen für eine letzte Tagesetappe wieder in die Boote. Es geht trotz Ferienzeit sehr ruhig zu auf dem See. Selbst die Segelboote in der Ferne sind an einer Hand abzuzählen. Am nördlichen Ufer einer Insel finden wir einen hervorragend geeigneten Anlandeplatz. Das Zelt ist schnell aufgebaut, und um unseren Energiebedarf zu decken mache ich mich gleich an das Abendbrot und kredenze uns anderthalb Stunden nach dem »Einchecken« einen üppig gefüllten Topf Soße zu den mit Pasta gefüllten Tellern. Dazu ein Becher Wein und die beste Aussicht, die wir uns im Augenblick vorstellen können.
…



