Auch wenn die Eder in Hessen und der Obere Main in Bayern fließen, so haben diese Flüsse doch mehr gemeinsam, als man denken mag. So entspringen beide in deutschen Mittelgebirgsregionen und zeichnen sich durch einen besonders naturnahen Charakter aus. Katja Seidel stellt insgesamt 65 traumhafte Paddelkilometer auf diesen beiden Flüssen in der Mitte unseres Lands vor.

Die Bedingungen für Freizeitpaddler sind an der Eder und am Oberen Main durchaus vergleichbar – haben sie doch eine ähnliche Breite und Fließgeschwindigkeit mit vereinzelten Sohlstufen, was für eine angenehme Abwechslung sorgt. Naturschutz und Renaturierung werden an beiden Flüssen großgeschrieben, so dass die Besucher eine wunderbare Tier- und Pflanzenwelt genießen können. Und auch abseits des Wassers ist einiges geboten: Fahrrad- und Bikerafting-Fans kommen auf traumhaften Flussradwegen voll auf ihre Kosten und kulturell sind beide Regionen durch malerische Burgen, Schlösser und historische Städte geprägt.
Eder
Unsere Tour startet direkt unterhalb des Edersees – einem beeindruckenden Stausee, umgeben von den wunderschönen Buchenwäldern des UNESCO-Weltnaturerbes im Nationalpark Kellerwald-Edersee. Ist der geforderte Mindestabfluss aus dem Stausee von 6 m³/s (idealerweise etwas mehr) in Affoldern gegeben, steht dem naturnahen Paddelgenuss von Mai bis Oktober nichts mehr im Wege.
Der Einstieg oberhalb der Brücke in Affoldern liegt neben einer großen Wiese und einem Parkplatz. Letzterer ist jedoch lediglich zum Ausladen gedacht, geparkt werden sollte im Ort. Die ersten Meter auf der Eder verlaufen meist recht flach, so dass es die beste Linie mit ausreichend Abstand zu den sensiblen Kiesinseln zu finden gilt. Neben den Flachstellen, die gut am gekräuselten Wasser zu erkennen sind, sorgen auch immer wieder kleinere Stromschnellen für eine willkommene Abwechslung. Besonders unter den zahlreichen Brücken bereiten uns die in der Regel harmlosen Schwälle große Freude. Eine erste Rastmöglichkeit gibt es nach sechs Kilometern in Anraff rechts vor der fünften Brücke der Strecke.
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Oberer Main
Wir starten unsere Tour auf dem Oberen Main rechts von der Straßenbrücke am offiziellen Einstieg Unnersdorf – in Fußwegentfernung zum Kurort Bad Staffelstein. Wie alle Ein- und Ausstiege ist auch dieser mit der markanten gelben Welle gekennzeichnet. Nur knapp über dem vorgeschriebenen Mindestpegel von 2,20 Metern in Kemmern wird schon jetzt, Anfang Juni, der besondere Charakter dieses Flusses deutlich: Ein üppiger Bewuchs zaubert ein wahres Blütenmeer auf die Wasseroberfläche. Zusammen mit zahlreichen Kurven und vielen kleinen Sohlschwellen, die zur Vermeidung von Wehren angelegt wurden, wird die Fahrt auf dem angenehm fließenden Main hier alles andere als langweilig. Aufmerksames und vorausschauendes Paddeln versteht sich dabei von selbst, um nicht von Untiefen oder Steinen im Wasser überrascht zu werden.
Zwar zwingt uns kein einziges Wehr auf der gesamten Strecke zum Ausstieg, jedoch stehen zahlreiche Anlegestellen zum Rasten zur Verfügung, an denen die Tour auf Wunsch auch beendet werden kann. Eine davon liegt in der Mainschleife Unterbrunn, die den Flusslauf im Rahmen der Renaturierung um einen Kilometer verlängert hat. Ein entsprechendes Schild weist nach knapp 11,5 Kilometern darauf hin, dass hier nun rechts abgebogen werden muss.
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