Wer regelmäßig – und vielleicht auch solo – auf großen Gewässern unterwegs ist, stellt sich früher oder später eine entscheidende Frage: Was mache ich, wenn ich plötzlich in eine Notsituation gerate? Um hier etwas Orientierung zu geben, fasst der folgende Text die wichtigsten Grundlagen sowie die gängigsten pyrotechnischen und elektronischen Seenotsignalmittel zusammen und bewertet deren Eignung insbesondere für den Paddelsport.

Nach dem Untergang der Titanic im Jahr 1912, bei dem über 1.500 Menschen ums Leben kamen, wurden in der Seefahrt international einheitliche Notsignale eingeführt. Diese Signale sollen sowohl auf See als auch an Land eindeutig als Seenotfall erkannt werden. Jedes seegehende Schiff der Berufsschifffahrt und ein Großteil der Freizeitschiffe führen verschiedene Seenot-Signalmittel mit sich. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen pyrotechnischen und elektronischen Signalmitteln. Alle Signale müssen jederzeit vollzählig, funktionsfähig, leicht zugänglich und innerhalb der Zulassungsfrist sein.
Einige pyrotechnische Signalmittel unterliegen aufgrund ihrer Gefährlichkeit besonderen gesetzlichen Regelungen und dürfen nur mit entsprechender Fachkunde erworben werden. Amtlich zugelassene pyrotechnische Signalmittel sind von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) geprüft und tragen eine entsprechende BAM-Nummer. Zusätzlich verfügen viele Produkte über eine SOLAS-Zulassung (Internationales Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See).
Beim Kauf sollte stets darauf geachtet werden, dass diese Zulassungen vorliegen – nur dann ist gewährleistet, dass das Signal als offizielles Seenotsignal erkannt wird und zuverlässig funktioniert.
CHECKLISTE
Vorbereitung vor der Tour
• Signalmittel vollzählig und innerhalb der Zulassung
• Ablaufdatum pyrotechnischer Signale geprüft
• Elektronische Geräte voll geladen und eingeschaltet
• Satelliten-/AIS-Verbindung getestet (Statusanzeige geprüft)
• Signalmittel griffbereit (Schwimmweste/Tagesstaufach)
• In der Gruppe abgesprochen: Wer führt was? Wo?
Mitzuführende Signalmittel
(Empfehlung)
In/an der Schwimmweste:
• 1× Handfackel ROT
• Elektronisches Notsignal (z.B. inReach/PLB)
Im Boot (Tagesstaufach/Decktasche):
• 1× Handfackel ROT
• 1× Signalgeber + mind. fünf rote Patronen
• 1× Rauchsignal (Fackel oder schwimmender Topf)
Wann Seenotsignale einsetzen?
• Akute Gefahr für Leib und Leben
• Selbstrettung nicht (mehr) möglich
• Absehbar, dass Hilfe benötigt wird
• Elektronischer Notruf bevorzugt zuerst auslösen
Nach der Tour
• Pyrotechnische Signale mit Süßwasser abspülen
• Trocknen bei Zimmertemperatur
• Verpackungen und Dichtungen prüfen
• Akkustand elektronischer Geräte kontrollieren
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